Die Tour zu den Seen l’Oronaye und Roburent zählt zu den schönsten Wanderungen im Ubaye-Tal. Auf abwechslungsreichen Pfaden an der Grenze zwischen Frankreich und Italien erwarten dich türkisblaue Bergseen, blühende Almwiesen, Murmeltiere und beeindruckende Ausblicke auf die Gipfel.
Gehzeit: 5,5 Stunden | Distanz: 16 km | Höhenmeter: 700 | Tour auf Komoot ↗
Die Tour: Fünf Seen, ein unvergessliches Erlebnis




Der erste Abschnitt bis zum ersten See zieht sich ein bisschen, stimmt aber wunderbar auf die faszinierende, beeindruckende Bergwelt im oberen Ubaye-Tal ein. Es beginnt sogar recht steil, aber schon bald zeigt sich ein spritziger Wasserfall, der zum Oronaye Bach gehört. Durch den geschmolzenen Schnee haben sich einige Rinnsale am Wanderweg gebildet. Nach den ersten Höhenmetern müssen wir auch den Bach queren, wo es mehrere Stellen gibt, wo wir über die Steine auf die andere Seite hüpfen können.





Sobald der erste See in unser Sichtfeld rückt, verlassen wir den Wanderweg und nehmen den Pfad direkt zum See. In diesem kleinen sumpfigen Gewässer spiegelt sich der beeindruckende Gipfel des Bec du Lièvre (2.770 m). Der kleine Lac de l’Oronaye See ist schon so schön, dass wir uns hier einige Zeit aufhalten, ohne zu wissen, dass die Landschaft noch schöner wird. Weiter auf dem Weg gehen wir wieder etwas höher und blicken auf den Lac de l’Oronaye.
Je höher wir steigen, desto beeindruckender wird die Landschaft. Im Frühsommer verwandeln sich die Hänge in farbenfrohe Blumenwiesen. Besonders die tiefblauen Enziane fallen sofort ins Auge und setzen wunderschöne Farbakzente zwischen den grünen Almflächen und den schroffen Felsen. Dabei bewegen wir uns bereits auf einer Höhe von rund 2.500 Metern und genießen echtes Hochgebirgsfeeling.
Fast ständig begleiten uns die Pfiffe der Murmeltiere. Die neugierigen Tiere sind hier zahlreich vertreten und lassen sich mit etwas Geduld wunderbar beobachten. Wer den Blick nicht nur in die Ferne schweifen lässt, entdeckt auf dem Weg außerdem große, plüschige Raupen, die gemächlich über den Boden kriechen. Einige von ihnen verwandeln sich später in auffällige Schmetterlinge, die über die Bergwiesen tanzen.






Auch zum nächsten See werden uns weitere Höhenmeter abverlangt. Gemein ist, dass wir von „unten“ noch nicht erkennen, wo sich denn der nächste See befindet. Also gehen wir erwartungsvoll weiter und lassen uns von der Bergwelt aus schroffen Gipfeln und grünen Bergen entzücken. Wer aufmerksam ist, wird vielleicht die Grenzsteine sehen, denn zum nächsten See wandern wir über den Col du Roburent von Frankreich nach Italien.
Von einer Anhöhe eröffnet sich schließlich der Blick auf den Oberen Roburentsee, den italienischen Lago Superiore di Roburent. Seine charakteristische Hufeisenform macht ihn unverwechselbar. Tiefblau liegt er eingebettet zwischen den Bergen, während sich dahinter markante Gipfel in den Himmel erheben. Die Kombination aus dem intensiven Blau des Wassers, den umliegenden Blumenwiesen und der rauen Bergkulisse wirkt beinahe surreal.
Rund um den See finden sich außerdem zahlreiche Überreste ehemaliger Militäranlagen. Die verstreuten Steinhaufen und Mauern erinnern daran, dass diese Region einst eine strategisch wichtige Grenzregion zwischen Frankreich und Italien war.
Kein Wunder, dass viele Wanderer hier ihre Rast einlegen. Der Lago Superiore di Roburent gehört zweifellos zu den schönsten Bergseen der Alpen und könnte problemlos als Postkartenmotiv durchgehen.
Dieser See ist bei vielen das Ziel der Wanderung und lassen sich rund um das Gewässer auf der Wiese nieder. Wir gehen noch weiter zu zwei weiteren Seen. Dafür bleiben wir auf der linken Seite (auf der anderen gehen wir dann später zurück).




Wer weitergeht, wird also belohnt: Auf der linken Seite des Weges (der Rückweg erfolgt später auf der rechten) wird die Landschaft alpiner. Schotter und Felsblöcke prägen den Pfad, und die Menschenmassen werden weniger. Zunächst kommt der Mittlere Roburentsee (Lago Mediano di Roburent) in Sicht, dann – als krönender Abschluss – der Untere Roburentsee (Lago Inferiore di Roburent). Zu beiden steigen wir nicht mehr ab, sondern bewundern den letzten See auf dieser Tour bei einer Stärkung von oben.
Rückweg

Für den Rückweg gibt es mehrere Möglichkeiten:
- Weiterwandern hinter dem Unteren Roburentsee: Nach einiger Zeit mit Anstiegen und Abstiegen trifft man wieder auf die Passstraße und folgt dieser zurück zum Ausgangspunkt.
- Gleicher Weg zurück: Wer die Tour genossen hat, kann den Hinweg einfach rückwärts gehen.
- Parallelpfade nutzen: Es gibt mehrere alternative Wege, die parallel zum Hauptpfad verlaufen und Abwechslung bieten.
Gut zu wissen

- Verpflegung: Ausreichend Wasser und Essen mitnehmen. Unterwegs gibt es keine Einkehrmöglichkeiten.
- Sonnenschutz: Die Route verläuft durchgehend in der Sonne und auf großer Höhe. An Sonnencreme (hoher Lichtschutzfaktor!), Sonnenbrille und Kopfbedeckung denken.
- Schuhe: Gutes, festes Schuhwerk ist essenziell. Der Weg führt über Schotter, Felsen und teilweise feuchte Passagen.
- Beste Zeit: Wochentage bevorzugen oder sehr früh (vor 8 Uhr) starten, um Menschenmassen zu vermeiden. Besonders am Oberen Roburentsee ist an Wochenenden viel los.
- Wer möchte, kann die Tour zudem mit einer Gipfelbesteigung erweitern. Einige der umliegenden Berge sind über anspruchsvolle Steige und wegloses Blockgelände erreichbar.
- Höhenmeter & Kondition: Die Tour erfordert gute Grundkondition – die Höhenmeter sind fordernd, aber die Belohnung lohnt sich!
Anreise & Parken
Ausgangspunkt: Der Parkplatz liegt an der Passstraße D900, etwa 45 Minuten von Barcelonette entfernt. Unterwegs passiert man Jausiers, von wo aus die Straße zum höchsten asphaltierten Alpenpass, dem Col de Bonette (2.802 m), abzweigt.
Parkmöglichkeiten: Entlang der D900 gibt es einige kostenlose Parkplätze auf französischer Seite. An Wochenenden und Feiertagen kann es jedoch sehr voll werden. Dann parken Autos oft weit entlang der Straße.
Alternative: Das Rifugio della Pace direkt an der französisch-italienischen Grenze bietet eine weitere Parkmöglichkeit.
Mein Fazit zu den Seen l’Oronaye und Roburent im Ubaye-Tal

Normalerweise bin ich lieber auf weniger frequentierten Wanderwegen unterwegs. Während meines Aufenthalts in Südfrankreich hat mich deshalb überrascht, wie viele Menschen hier auf dieser Tour unterwegs waren. Zugegebenermaßen war es Sonntag, aber auch in keiner anderen Ecke der Region waren an den Wochenenden und Feiertagen so viele Menschen auf einem Haufen unterwegs.
Besonders rund um den Oberen Roburent-See war entsprechend viel los. Wer die Tour in ruhiger Atmosphäre genießen möchte, sollte daher möglichst unter der Woche starten oder einfach bis zu den weiter entfernten Seen wandern. Dort wird es deutlich ruhiger und die Landschaft wirkt noch ursprünglicher.
Trotz der vielen Besucher zählt diese Wanderung für mich zu den schönsten Seenwanderungen der Alpen. Die Kombination aus den türkisblauen Bergseen, den bunten Blumenwiesen, den vielen Murmeltieren und der beeindruckenden Hochgebirgslandschaft auf rund 2.500 Metern macht die Tour zu einem echten Highlight im Ubaye-Tal.
Den Tipp für diese wunderschöne Wanderung habe ich übrigens von meiner Freundin Linda von Hiking the Alps bekommen. Dafür ein herzliches Dankeschön.
Du kannst von türkisblauen Seen gar nicht genug bekommen? Besonders empfehlen kann ich dir die Laghi di Fusine bei Tarvis, die mit ihrem kristallklaren Wasser zu den schönsten Seen Italiens zählen. Aber auch rund um den Gardasee oder Kaltern am See warten traumhafte Wanderungen auf dich.
