Sieben Tage zu Fuß über die Alpen – von Bayern über Tirol bis nach Südtirol: Ich nehme dich mit auf meine Alpenüberquerung vom Tegernsee nach Sterzing und zeige dir, was diese Route so besonders macht. Außerdem teile ich meine Erfahrungen, praktische Packtipps und erkläre, warum das Wandern mit Gepäckservice eine tolle Erfindung ist.
Wandern erfreut sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit und so steht bei Vielen eine Alpenüberquerung auf der Bucket-List. Es gibt einige offizielle Routen. Für die Alpenüberquerung vom Tegernsee nach Sterzing sind es genau sieben Wandertage. Die Tour gilt als „leichteste“ Route für Anfänger im Weitwandern.
Alpenüberquerung-Route im Überblick
- Wandertage: 7
- Distanz: 105 Kilometer
- Aufstieg: 3.000 Höhenmeter
- Höchster Punkt: Pfitscher Joch (2.275 m)
- Empfohlene Zeit: Ende Juni bis September
Kurz zum Etappenverlauf: Die Route führt durch Deutschland, hauptsächlich durch das Zillertal in Österreich und dann bis nach Südtirol.


Hier ist eine Übersicht über den Verlauf der Alpenüberquerung:
| Etappe / Abschnitt | Distanz | Höhenmeter + | Höhenmeter − |
|---|---|---|---|
| 1. Gmund – Tegernsee – Bad Wiessee/Kreuth | 14 km | 180 m | 180 m |
| 2. Kreuth – Achenkirch | 17 km | 820 m | 770 m |
| 3. Achenkirch – Fügen | 14 km | 120 m | 100 m |
| 4. Fügen – Spieljoch – Hochfügen | 14 km | 350 m | 740 m |
| 5. Hochfügen – Melchboden – Zillertal | 11 km | 840 m | 300 m |
| 6. Mayrhofen/Aschau – Schlegeis – Pfitschtal | 13 km | 480 m | 820 m |
| 7. Pfitschtal – Sterzing | 20 km | 140 m | 640 m |
Je nach verfügbarer Unterkunft enden die Etappen an unterschiedlichen Orten, wobei die Transfers hierauf abgestimmt sind. Die tatsächliche Distanz kann daher etwas abweichen.
Hier findest du den kompletten Reiseverlauf bei Feuer & Eis ↗, wo du auch deine Alpenüberquerung buchen kannst.
1. Tag: Gmund am Tegernsee bis Bad Wiessee





Schon am Anreisetag geht deine Alpenüberquerung los: Vom Bahnhof Gmund startest du auf dem Tegernseer Höhenweg, der sich rund 100 Meter über dem Nordufer entlangzieht. Der Weg ist technisch einfach und passend, um in den „Alpenmodus“ zu kommen. Gleichzeitig liefert er schon die ersten weiten Blicke über den Tegernsee und die umliegenden Voralpen.
In Tegernsee bietet sich ein Stopp im Brauhaus direkt am See an, bevor du optional mit der kleinen Ruderfähre übersetzt oder die Schifffahrt zur Abkürzung nutzt. Anschließend flanierst du entspannt am See entlang weiter zu deinem Quartier auf der Südseite, nach Bad Wiessee oder Richtung Kreuth.
2. Tag: Kreuth — Achenkirch




Am Morgen bringt dich ein Transfer hinter Wildbad Kreuth zum Startpunkt, von dem aus du in die erste richtige Bergetappe einsteigst. Nach einigen Metern auf einem Forstweg zieht der Weg als guter Steig durch Mischwald steil hinauf zur Almregion rund um die Geißalm.
Der markierten Route Richtung Schildenstein und Blaubergalm folgend, erreichst du den Grenzkamm zwischen Bayern und Tirol mit typischer Latschenvegetation. Hier öffnen sich Panoramen, die von der Tegernseer Voralpenlandschaft bis hinüber zum Karwendel und den Zillertaler Alpen reichen.
Einkehrmöglichkeit gibt es einzig auf der urigen Blaubergalm, bevor du auf einfachen Wegen nach Achenwald ins Tal absteigst. Von dort fährst du mit dem Bus bis nach Achenkirch.
3. Tag: Achenkirch – Achensee – Fügen




Die dritte Etappe gilt nicht umsonst als einer der schönsten Wanderwege Tirols. Vom Hotel in Achenkirch folgst du dem gut ausgebauten Steig entlang des Westufers des Achensees. Der Weg hat leichte Auf- und Abstiege sowie kurze Passagen mit Stufen und Handläufen, bleibt aber gut begehbar und bietet fast durchgängig Blickkontakt zum türkisblauen See.
Ein besonderes Highlight ist die Gaisalm, die direkt am Wasser liegt. Über Pertisau und den Uferweg erreichst du Maurach am Südufer, wo du die Region verlässt und mit Bus und Bahn weiter ins Zillertal nach Fügen fährst.
4. Tag: Fügen – Spieljoch – Hochfügen





In Fügen, der „Ersten Ferienregion im Zillertal“, geht es zunächst ganz entspannt los: Du spazierst zur Talstation der Spieljochbahn, von wo dich die Gondel auf rund 1.850 Meter bringt. Oben wartet ein weiter Rundblick über die Zillertaler Bergwelt, Karwendel, Rofangebirge und sogar hinüber zu den Kitzbüheler Alpen und ins Kaisergebirge – eine echte Panoramaetappe. Von dort führt ein Steig durch Latschen, Almrosen, Zirben und über Granitsteine zur Gartalm, die sich ideal für eine längere Pause eignet. Weiter geht es über den Loassattel zum Alpen-Gasthaus Loas, bevor du auf teils schattigen Wegen gemütlich nach Hochfügen absteigst.
5. Tag: Hochfügen — Melchboden — Zillertal





Diese Etappe führt dich durch eine Almregion. Hier bekommst du einen Einblick in historische Almwirtschaft, der sich direkt in der Landschaft widerspiegelt. Vom Start in Hochfügen wanderst du begleitet von uralten, vom Gletscher geschliffenen Felsen hinauf zum Sidanjoch. Bei der nahegelegenen Rastkogelhütte öffnet sich ein weiter Fernblick über das Inntal, das Karwendel und die Tuxer Alpen.
Ein kurzer Aufstieg bringt dich auf den Mitterwandskopf, bevor du einem malerischen Steig mit eiszeitlichen Formen, kleinen Lacken und einem Bergkamm folgend bis zum Melchboden hinabsteigst. Von dort übernimmt der Linienbus die „Abfahrt“ über die Zillertaler Höhenstraße ins Tal. Je nach Unterkunft fährst du anschließend mit der Zillertalbahn nach Aschau oder Mayrhofen.
6. Tag: Schlegeis — Pfitschtal







Heute steht der eigentliche Alpenübergang auf dem Programm: Morgens bringt dich das organisierte Shuttle zum Schlegeis-Stausee auf etwa 1.800 Meter. Die hohe Staumauer hält einen der größten Stauseen Österreichs, gespeist von den Gletschern im Talschluss. Von hier steigt der gepflegte Wanderweg moderat an, geprägt von kristallklaren Bächen, Wasserfällen, Geröllfeldern und Steinmoränen. Die raue Landschaft wirkt fast unwirklich.
Am bewirtschafteten Pfitscherjochhaus überquerst du die Grenze nach Italien beziehungsweise Südtirol und erreichst mit 2.275 Metern deinen höchsten Punkt der gesamten Mehrtagestour. Danach führt der Weg steil hinab ins Pfitschtal hinunter bis zu deinem Ziel in St. Jakob.
7. Pfitschtal — Sterzing





Die letzte Wanderetappe verläuft überwiegend gemütlich im Talboden des Pfitschtals mit nur wenigen steilen Stellen und folgt dem Pfitscher Bach talwärts. Der Weg bietet schattige Waldpassagen, saftige Wiesen und führt an typischen Südtiroler Bauernhäusern und Kapellen vorbei. Kurz vor dem Ziel wartet bei Flains noch ein kleiner Anstieg, der dich direkt in das historische Zentrum von Sterzing führt. Mit den bunten Fassaden, engen Gassen und der Kulisse der Berge wirkt der Ort wie ein sehr würdiger Endpunkt deiner Alpenüberquerung.
Hier wird dir klar: Du bist Finisher der Route Tegernsee–Sterzing – ein Moment, der passenderweise mit Urkunde (bei der Tourismusinformation) und optionaler Stadtführung belohnt wird.
Highlights unterwegs

- Tegernsee (Tag 1)
- Blaubergalm (Tag 2)
- Übergang von Deutschland nach Österreich (Tag 2)
- Achensee (Tag 3)
- Gaisalm (Tag 3)
- Spieljoch (Tag 4)
- Sidanjoch (Tag 5)
- Schlegeis Stausee (Tag 6)
- Hochgebirgsnaturpark Zillertaler Alpen (Tag 6)
- Alpenhauptkamm (Tag 6)
- Pfitscher Joch (Tag 6)
- Pfitscher Joch Haus (Tag 6)
- Sterzing (Tag 7)
Auch abseits der Route liegen Gipfel, Seen und andere schöne Orte, die es sich zu besuchen lohnt, wie den Schildenstein (Etappe 2). Oder du kannst auch kurz vor dem Etappenende am Achensee mit der Achenseebahn bis Jenbach fahren. Die Fahrt ist in der Gäste-Card enthalten.
Ablauf


Es gibt mehrere Anbieter, die die komplette Organisation übernehmen. Je nach Wunsch kannst du die Alpenüberquerung ohne Gepäcktransfer, mit Gepäcktransfer oder sogar mit einem Wanderguide buchen. Feuer & Eis bietet alle drei Varianten an. Da ich gerne auf eigene Faust unterwegs bin, aber dennoch auf den Komfort von Gepäckservice nicht verzichten möchte (siehe weiter unten bei Packtipps) habe ich eben diese Variante gewählt. Besonders praktisch fand ich, dass ich im Juli an jedem beliebigen Wochentag starten konnte und auch Halbpension (bis auf den Anreisetag) inkludiert ist.
Bereits vor Reisebeginn erhältst du ausführliche Wanderunterlagen mit Kartenmaterial, Etappenbeschreibungen und allen notwendigen Informationen mit der Post. Vor Ort übernimmt Feuer & Eis die Organisation der Transfers. Je nach Etappe wanderst du direkt von Unterkunft zu Unterkunft oder wirst morgens per Shuttle zum Startpunkt gebracht. Teilweise nutzt du zusätzlich öffentliche Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn.
Wichtig: Für einige Transfers erhältst du ein Transferbändchen. Dieses solltest du immer griffbereit haben. Viele Unterkünfte stellen außerdem Gästekarten aus, mit denen teilweise auch öffentliche Verkehrsmittel kostenlos genutzt werden können.
Unterkünfte



Je nach Verfügbarkeit schlafen Wanderer in unterschiedlichen Unterkünften. In den folgenden habe ich übernachtet. Bis auf den Anreisetag gab es Abendessen und Frühstück war natürlich immer inklusive.
| Etappe / Ort | Hotelname |
|---|---|
| Bad Wiessee | SL Hotel ↗ |
| Achenkirch | Kulinarikhotel Alpin ↗ |
| Fügen | Boutique Hotel Haidachhof ↗ |
| Hochfügen | Hotel Zirbenhof ↗ |
| Aschau im Zillertal | Hotel VAYA Zillertal ↗ |
| Pfitschtal / St. Jakob | Hotel Dorfwirt |
| Sterzing | Hotel Rosskopf ↗ |
Um die Reservierung musst du dich nicht selbst kümmern, wenn du über Feuer & Eis buchst.
Anreise & Abreise

Sowohl der Startpunkt in Gmund am Tegernsee als auch das Ziel in Sterzing sind bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Von München benötigst du mit der Bahn rund eine Stunde bis Gmund. Nach der Alpenüberquerung gelangst du vom Bahnhof Sterzing bequem über Lienz oder Innsbruck wieder zurück.
Oder du lässt sich vom Feuer & Eis Rücktransfer bis zum Tegernsee/Gmund zurückbringen.
Packtipps


Wer mit Gepäcktransfer unterwegs ist kann einiges mehr an Kleidung und Ausrüstung mitnehmen. Seit ich meine erste Mehrtagestour am Lechweg gemacht habe, habe ich auch immer ein zweites Paar Wanderschuhe dabei. Und das aus zwei Gründen: Nach Regentagen sind die Schuhe oft auch am nächsten Morgen noch feucht und zweitens Blasenbildung. Ein weiterer Grund ist, dass es Etappen gibt, wo leichtere Schuhe reichen und dann wieder welche, wo Knöchelhohe Schuhe die bessere Wahl sind. Ich habe meine Schuhe von Lowa und von Mammut dabei. Und dann habe ich noch Schlappen und normale Schuhe für die Anreise beziehungsweise Abreise und den Restaurantbesuch zum Abendessen.
Die „Koffer oder große Reiserucksack“ Frage kann nur jeder für sich individuell beantworten. Meine Erfahrung zeigt, wenn ich mit der Bahn anreise, ist es praktischer, den großen Rucksack aufzusetzen, wenn ich den Zug wechsel. Ein Koffer ist da umständlicher, Treppe rauf und runter tragen zu müssen. Ich nutze einen 70-Liter Trekkingrucksack von Gregory mit vielen praktischen Verstaufächern.
Viel Wasser trinken und das möglichst unkompliziert ermöglicht mir seit vielen Jahren eine Trinkblase. Das Volumen von zwei Litern reicht für mich für die meisten Etappen aus. Der Trinkschlauch hängt mir über die Schulter und ich komme immer schnell dran. Manchmal habe ich zusätzlich noch eine weitere wiederauffüllbare Flasche (1 Liter) dabei.
Ein Erste-Hilfe-Set mit Pflastern und Blasenpflastern gehört in jeden Tageswanderrucksack. Ich hatte am zweiten Tag nach kurzer Zeit Blasen an den Fersen und habe eine kurze Verarztungspause eingelegt.
Wanderstöcke oder Stecken (wie wir in Österreich sagen) sind wirklich eine tolle Unterstützung und Entlastung für den Körper. Ich habe Wanderer beobachtet, denen ich gerne meine Stöcke gegeben hätte, da sie mit der Armhaltung einfach so überanstrengt aussahen. Ich habe zudem die Erfahrung gemacht, dass Finger nicht so anschwellen, wenn man mit Stöcken unterwegs ist.
Wenn du dich morgens vor der Wanderung gut mit Sonnencreme eingeschmiert hast, kannst du die Tube in dein Tagesgepäck für den Weitertransport geben und musst sie während der Tour nicht mittragen.
Fazit: Hat sich die Alpenüberquerung vom Tegernsee nach Sterzing gelohnt?


„Es scheint immer unmöglich, bis es geschafft ist.“ Selten hat sich das Zitat so passend angefühlt wie nach sieben Wandertagen und der Überquerung der Alpen von Bayern über Tirol bis nach Italien.
Hat sich die Alpenüberquerung gelohnt? Ganz klar: Ja! Die abwechslungsreiche Landschaft, die vielen besonderen Momente unterwegs und das Gefühl, Sterzing nach einer Woche zu Fuß zu erreichen, machen diese Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis. Würde ich die Route noch einmal wandern? Definitiv – allerdings etwas früher, Ende Juni. Dann stehen die Alpenrosen vielerorts in voller Blüte und auf den Wegen ist meist noch etwas weniger los.
Ich persönlich empfand die Alpenüberquerung als überraschend gut machbar. Obwohl ich unter starker Höhenangst leide und exponierte, absturzgefährdete Wege mich in der Vergangenheit schon mehrfach zum Umkehren bewegt haben, hatte ich auf dieser Route zu keinem Zeitpunkt Probleme. Das hat mich selbst überrascht und war einer der Gründe, warum ich die Tour so genießen konnte.
Trotzdem sollte niemand die Alpenüberquerung unterschätzen! Eine gute Kondition, Trittsicherheit und Erfahrung im alpinen Wandern sind aus meiner Sicht unbedingt erforderlich. Wenn du eine Alpenüberquerung planst, empfehle ich dir, vorher bereits einige Wanderurlaube in den Alpen, wie zum Beispiel dem Zillertal gemacht zu haben. So kannst du die Tour nicht nur sicher meistern, sondern auch die vielen beeindruckenden Landschaften unterwegs in vollen Zügen genießen. Für komplette Wanderanfänger würde ich diese Alpenüberquerung nicht empfehlen. Wenn du jedoch bereits Erfahrung mit Wanderurlauben in bergigen Regionen gesammelt hast und nun deine erste Alpenüberquerung planst, halte ich die Route vom Tegernsee nach Sterzing für einen guten Einstieg.
Hier kannst du deine Alpenüberquerung vom Tegernsee nach Sterzing über Feuer & Eis ↗ buchen.
Offenlegung: Dieser Blogbeitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem Zillertal Tourismus und deren Partner Feuer & Eis. Es gab keine Vorgaben. Die hier vorgestellten Inhalte habe ich mir selbst ausgesucht.
