Lüttichs Sehenswürdigkeiten lassen sich gut zu Fuß entdecken: vom außergewöhnlichen Bahnhof Liège-Guillemins über die 374 Stufen der Bueren-Treppe bis an die Maas. Ich nehme dich mit zu meinen persönlichen Stopps für einen Tag in der wallonischen Stadt, verrate dir, wo ich eine Lütticher Waffel gegessen habe und welche Unterkunft sich für eine Reise mit dem Zug anbietet.

Lüttich ist keine Stadt, die sich sofort mit einer perfekten Postkartenkulisse präsentiert. Die wallonische Stadt wirkt an manchen Stellen etwas rau, lebendig und eigenwillig. Mich persönlich spricht das ziemlich an und das macht Lüttich auch irgendwie zum Geheimtipp.
Zwischen alten Kirchen, steilen Treppen, moderner Architektur und der Maas liegen erstaunlich viele unterschiedliche Seiten der Stadt dicht beieinander. Vieles lässt sich dabei gut zu Fuß verbinden, sodass du Lüttich ganz nebenbei beim Spazierengehen entdecken kannst. Einige Sehenswürdigkeiten liegen mitten im Zentrum, andere lassen sich gut mit einem Weg entlang der Maas verbinden.
Für mich ist Lüttich deshalb ein gutes Ziel für einen Tagesausflug mit Übernachtung. Besonders praktisch ist die Anreise mit dem Zug: Der Bahnhof Liège-Guillemins ist nicht nur Verkehrsknotenpunkt, sondern selbst schon ein ziemlich außergewöhnlicher Auftakt für den Stadtbesuch.
Lüttich an einem Tag




Wenn du nur einen Tag in Lüttich hast, kannst du dich an dieser Reihenfolge orientieren:
- Bahnhof Liège-Guillemins
- Port des Yachts an der Maas
- Montagne de Bueren und die Bueren-Treppen
- Eine Lütticher Waffel bei Une Gaufrette Saperlipopette
- St. Bartholomäus-Kirche
- Parc de la Boverie
Die Reihenfolge kannst du natürlich an deine Ankunft und dein Tempo anpassen. Wenn du mit dem Zug kommst, bietet sich der Bahnhof als Startpunkt an. Die Waffel würde ich nicht unbedingt an eine bestimmte Uhrzeit knüpfen – je nachdem, wann du unterwegs bist, passt sie genauso gut zu einer Vormittagspause wie zum Nachmittag.
1. Montagne de Bueren und die Bueren-Treppen


Die Montagne de Bueren ist wohl das bekannteste Motiv aus Lüttich. 374 Stufen führen vom historischen Stadtzentrum hinauf in Richtung Zitadellenhügel. Und ja: Auf Fotos sieht die Treppe deutlich harmloser aus, als sie sich beim Hinaufgehen anfühlt.
Die Stufen ziehen sich ziemlich konsequent nach oben. Spätestens nach den ersten hundert Stufen merkst du also, dass du hier nicht einfach nur für ein Foto vorbeischaust. An einem warmen Tag kommt man dabei durchaus ins Schwitzen.
Die Treppe entstand im 19. Jahrhundert, um eine direkte Verbindung zwischen der Innenstadt und der Zitadelle zu schaffen. Heute ist sie gleichzeitig historisches Bauwerk, Aussichtspunkt und einer der Orte, die man bei einem ersten Besuch in Lüttich vermutlich nicht auslässt.
Mein Tipp für die Bueren-Treppen:
Nimm dir für den Aufstieg etwas Zeit und Schuhe, in denen du sicher auf den Stufen stehst. Bei Hitze würde ich eine Trinkpause einplanen. Früh am Morgen ist es meist ruhiger, bei Regen können die Stufen rutschig werden. Und wenn du schon einmal oben bist, würde ich nicht direkt wieder umdrehen, sondern noch ein Stück durch die Coteaux de la Citadelle laufen.
2. Bahnhof Liège-Guillemins
Der Bahnhof Liège-Guillemins ist für viele der erste Ort, den sie von Lüttich sehen. Bei mir war das auch so – und eigentlich ist das gar kein schlechter Start für einen Stadttag. Denn der Bahnhof selbst ist schon sehenswert.
Entworfen wurde das Gebäude vom spanischen Architekten Santiago Calatrava. Stahl, Glas und Beton treffen hier aufeinander, dazu kommt das riesige geschwungene Dach, das sich über die Bahnsteige zieht. Von außen wirkt der Bahnhof fast wie ein eigener moderner Stadtbaustein, der mit dem restlichen Lüttich erst einmal wenig gemeinsam hat.
Auch wenn du nicht mit dem Zug weiterfährst, würde ich vor dem Losgehen noch ein paar Minuten in der Bahnhofshalle verbringen. Je nachdem, wo du stehst, verändert sich der Blick auf die Konstruktion ziemlich deutlich.
3. Port des Yachts


Vom historischen Lüttich geht es hier plötzlich ans Wasser. Der Port des Yachts liegt direkt an der Maas und wirkt mit seinen Booten und Yachten ganz anders als die engen Straßen im Zentrum.
Direkt am Wasser findest du außerdem Le plongeur et son arc, eine auffällige Skulptur im Fluss. Die Figur wirkt auf den ersten Blick etwas rätselhaft und ist gerade deshalb ein schönes Detail, nach dem du beim Spaziergang Ausschau halten kannst.
Nach einem langen Tag in der Stadt ist der Hafen ein angenehmer Ort, um etwas Tempo herauszunehmen. Du kannst am Wasser entlanggehen, dich auf eine Bank setzen und den Booten zuschauen.
Vor allem am späten Nachmittag verändert sich die Stimmung rund um die Maas. Wenn du gerne fotografierst, ergeben sich hier außerdem schöne Perspektiven auf das Wasser, die Boote, die Brücken und die Gebäude entlang des Ufers.
4. St. Bartholomäus-Kirche

Die St. Bartholomäus-Kirche, französisch Collégiale Saint-Barthélemy, gehört zu den ältesten Kirchen Lüttichs. Sie steht etwas abseits der ganz zentralen Plätze und wurde einst außerhalb der ursprünglichen Stadtmauern errichtet.
Schon von außen fällt die Kirche mit ihren roten Türmen und der hellen Fassade auf. Im Inneren geht es deutlich ruhiger zu. Viel spannender als die Kirche selbst fand ich allerdings das Taufbecken, für das die Kirche besonders bekannt ist.
Das Taufbecken gilt als bedeutendes Werk der maasländischen Kunst und gehört zu den wichtigsten Kunstschätzen der Stadt. Da die Kirche nicht weit vom Grand Curtius und der historischen Altstadt entfernt liegt, lässt sich der Besuch gut mit einem Spaziergang durch diesen Teil Lüttichs verbinden.
5. Une Gaufrette Saperlipopette


Ein Besuch in Lüttich und keine Lütticher Waffel? Für mich gehört das nicht zusammen. Eine Adresse, die ich dafür empfehlen kann, ist Une Gaufrette Saperlipopette in der Rue des Mineurs.
Die Lütticher Waffel unterscheidet sich ziemlich deutlich von der bekannteren Brüsseler Variante. Sie ist kompakter und enthält karamellisierte Zuckerstücke, die beim Backen schmelzen und der Waffel ihre typische knusprige, leicht karamellige Oberfläche geben. Innen bleibt sie weich und dicht.
In der kleinen Boutique gibt es außerdem Brot, Gebäck, Chouquettes und weitere süße Sachen. Wenn du ohnehin durch die Altstadt unterwegs bist, lässt sich hier also ziemlich unkompliziert eine Waffelpause einlegen.
6. Parc de la Boverie

Zwischen Maas und Ourthe liegt der Parc de la Boverie. Nach den Straßen und Häusern der Innenstadt fühlt sich der weitläufige Park fast wie ein kleiner Zwischenstopp außerhalb der Stadt an.
Es gibt Spazierwege, Teiche, Skulpturen und Blumenbeete, vor allem aber viel Platz zum Herumgehen. Ich würde deshalb nicht nur einmal quer durch den Park laufen, sondern ein bisschen Zeit dafür einplanen und auch am Wasser entlanggehen.
Direkt im Park steht außerdem das Kunstmuseum La Boverie. Das Gebäude wurde für die Weltausstellung von 1905 errichtet und beherbergt heute Kunstwerke aus unterschiedlichen Epochen sowie wechselnde Ausstellungen.
Wenn du nicht ins Museum möchtest, kannst du trotzdem einen Abstecher in den Park machen. Über die Fußgängerbrücke La Belle Liégeoise geht es anschließend weiter in Richtung Bahnhof und Stadtzentrum.
Unterkunftstipp: ibis Styles Liège Guillemins
Wenn du Lüttich mit dem Zug besuchst und nur eine Nacht bleibst, ist die Lage des ibis Styles Liège Guillemins ↗ ziemlich praktisch. Das Hotel liegt direkt am Bahnhof, sodass du weder bei der Ankunft noch bei der Abreise dein Gepäck lange durch die Stadt schleppen musst.
Auch für einen frühen Zug am nächsten Morgen ist die Lage angenehm. Du kannst deinen Stadttag also einfach in der Innenstadt verbringen und musst am Abend nicht noch überlegen, wie du wieder zu deiner Unterkunft kommst.
Gerade für eine kurze Städtereise finde ich solche kleinen praktischen Dinge wichtig. Lüttich lässt sich gut zu Fuß erkunden, und wenn der Bahnhof gleichzeitig vor der Hoteltür liegt, bleibt mehr Zeit für die Stadt.
Meine Route für einen Tag


Wenn ich die sechs Stopps zu einem Tag verbinden würde, sähe meine Route ungefähr so aus:
Vormittag: Ich würde am Bahnhof Liège-Guillemins starten und erst einmal ein paar Minuten durch die Bahnhofshalle gehen. Die Architektur ist schließlich schon die erste Sehenswürdigkeit des Tages. Von dort geht es weiter zum Parc de la Boverie. Hier kannst du eine Runde durch den Park drehen, am Wasser entlanggehen und, wenn du genügend Zeit hast, noch das Museum La Boverie besuchen.
Mittagszeit: Anschließend geht es weiter Richtung historisches Zentrum. Ein Abstecher zur St. Bartholomäus-Kirche bietet sich an, bevor es Zeit für eine Lütticher Waffel bei Une Gaufrette Saperlipopette wird. Spätestens jetzt ist klar, dass ein Stadttag in Lüttich nicht nur aus Sehenswürdigkeiten besteht.
Nachmittag: Mit etwas Zucker im Gepäck geht es weiter durch die älteren Straßen der Stadt zur Montagne de Bueren. Die 374 Stufen sind der Teil des Tages, bei dem du wahrscheinlich am deutlichsten merkst, dass du zu Fuß unterwegs bist. Oben angekommen, würde ich noch ein Stück durch die Coteaux de la Citadelle gehen, bevor es wieder Richtung Maas geht.
Abend: Zum Abschluss geht es hinunter zum Port des Yachts. Ein Spaziergang entlang der Maas ist ein guter Gegenpol zum Trubel und den vielen Eindrücken des Tages.
Du möchtest Lüttich nicht nur in Bildern entdecken? In meinem Video nehme ich dich mit auf einen Rundgang durch die Stadt und zeige dir einige meiner persönlichen Eindrücke.
Mein Fazit
Ich habe so viele Jahre in der Nähe von Lüttich gewohnt und war kein einziges Mal dort. Ausgerechnet nachdem ich von Deutschland weggezogen war, habe ich die Stadt dann doch für mich entdeckt.
Ich war inzwischen zweimal in Lüttich und habe trotzdem noch einige Orte auf meiner Liste für weitere Besuche. Für einen Tag bekommt man also schon einiges zu sehen, ohne dass sich die Stadt nach einem Sehenswürdigkeiten-Marathon anfühlt.
Und natürlich gehört zwischendurch eine Lütticher Waffel und belgische Pommes dazu. Am Ende noch ein Spaziergang am Wasser. Mehr brauche ich für einen gelungenen Tag in Lüttich eigentlich gar nicht.
Wenn du noch etwas mehr Zeit hast, musst du deine Reise aber nicht in Lüttich beenden. Von hier aus kannst du weiter in die belgischen Ardennen reisen, zum Beispiel nach La Roche-en-Ardenne oder mit dem Zug in Richtung Poix-Saint-Hubert. Damit lässt sich der Städtetrip gut mit ein paar Tagen Natur verbinden.
