Dieses Jahr war es endlich so weit: Ich habe zum ersten Mal richtig gezeltet. Statt einfach loszuziehen, bin ich das Ganze Schritt für Schritt angegangen. In meinem Blogartikel erzähle ich dir, wie ich mich vorbereitet habe, was ich dabei gelernt habe und welche Überraschungen auf mich gewartet haben.
Projekt: Das erste Mal zelten
Ich habe mir in diesem Jahr vorgenommen, das erste Mal selbst zu zelten. Tatsächlich habe ich vor vielen Jahren schon auf Reisen in einem Zelt geschlafen. Aber als ich in Guatemala auf dem Acatenango-Vulkan oder in Mexiko im Dschungel im Zelt geschlafen habe, war das natürlich eine ganz andere Situation: Der Trip war organisiert und das Zelt bereits aufgebaut, andere Menschen waren dabei und ich musste mich weder um die Ausrüstung noch um irgendwas selbst kümmern.
Dieses Jahr wollte ich etwas Neues erleben, mit eigener Ausrüstung unterwegs sein, mein Zelt selbst aufbauen und auch alleine damit zurechtkommen. Also quasi mein eigenes kleines Camping-Abenteuer. Dieses bestand aus drei Schritten: Probeaufbauen, in Deutschland oder Österreich draußen übernachten und dann in Finnland alleine richtig zelten.
Erst einmal das Zelt überhaupt ausprobieren




Um mich mit dem Zelt und der Ausstattung vertraut zu machen, habe ich in meiner Heimatstadt ein ruhiges Plätzchen etwas außerhalb der Stadt gesucht und das Zelt dort erst einmal ganz in Ruhe auf einer Wiese aufgebaut. Vorher habe ich mir auf YouTube eine Anleitung zur Vorgehensweise angeschaut. Die ganze Ausrüstung von EXPED habe ich mir ausgeliehen.
Ich wollte einfach wissen, wie das überhaupt funktioniert. Wie lange brauche ich für den Aufbau? Wie fühlt es sich an, darin zu liegen? Bekomme ich meine Ausrüstung auch wieder vernünftig zusammengepackt?
Für die erste Übernachtung wollte ich mich logischerweise nicht gleich irgendwo in der Natur mit einer Anleitung und einem Zelt im Regen wiederfinden.
Der erste Versuch auf einem Trekkingplatz




Der zweite Schritt bestand darin, das Zelten irgendwo in der Natur tatsächlich auszuprobieren. Legal versteht sich, denn in Deutschland und Österreich darf man nicht einfach überall zelten.
Ich war gerade auf dem FrankenwaldSteig unterwegs, als ich ganz spontan auf Instagram entdeckt habe, dass es in der Region Frankenwald Trekkingplätze gibt, auf denen man für eine Nacht sein Zelt aufschlagen kann. Für mich war das die perfekte Gelegenheit, das Ganze einfach mal auszuprobieren. Die Plätze müssen vorher online reserviert werden, ansonsten ist das Prinzip aber ziemlich unkompliziert.
Die Bedingungen waren an diesem Tag Anfang August zunächst leider nicht besonders gut. Als ich zum Trekkingplatz aufbrechen wollte, hat es geregnet und es wurde immer stärker. Für das erste Mal Zelten ist das natürlich nicht gerade das Wetter, das man sich wünscht.
Also wartete ich einige Stunden ab, bis es besser wurde. Hier war es für mich natürlich sehr praktisch, dass ich mit dem Auto angereist war. So konnte ich mein großes Gepäck im Auto lassen und hatte beispielsweise Wechselkleidung und zusätzliches Essen dabei, ohne alles zum Trekkingplatz tragen zu müssen. Als es am späten Nachmittag tatsächlich besser wurde und sogar die Sonne herauskam, machte ich mich auf den Weg.
Der Trekkingplatz lag an einer Lichtung in einem Wald. Dazu gehörten ein Plumpsklo, eine Feuerstelle und sogar ein paar Getränke zur Selbstbedienung. Für meinen ersten Versuch war das wirklich ein angenehmer und vor allem komfortabler Rahmen.
Und ich hatte Glück: In dieser Nacht war ich sogar alleine mit meinem Zelt. Eigentlich hätten noch drei weitere Zelte dort stehen dürfen. Wer meinen Blog kennt, weiß, dass ich am liebsten alleine unterwegs bin und mich freue, wenn ich niemanden anderen begegne. Ich mag die Einsamkeit und Wildniss.
Trotz Sommer war es in der Nacht schon ziemlich kalt und ich war froh, genug warme Kleidung dabei zu haben. Viel geschlafen habe ich in dieser Nacht zwar nicht, aber das Erlebnis war einfach unglaublich.
Am nächsten Morgen war das Zelt von außen feucht, auch wenn es in der Nacht nicht geregnet hatte. Ich habe am Morgen alles schnell zusammengepackt, bin zurück zum Auto und habe mir auf der anderen Seite des Parkplatzes noch ein wenig den Sonnenaufgang angeschaut und dabei Kaffee aus meiner Isokanne getrunken.
Ehrlicherweise habe ich am Morgen zwar gedacht: Nie wieder zelten. Aber es hat nicht lange gedauert, bis ich mich wieder über weitere Trekkingplätze informiert habe.
Es ist ein bisschen wie bei einem Halbmarathon: Es ist anstrengend und fordernd, aber danach ist man irgendwie schon wieder süchtig danach, den nächsten zu laufen.
Das finale Vorhaben: Finnland




Der dritte Schritt war dann meine Reise nach Finnland. Das, was ich mir vor so vielen Monaten vorgenommen hatte, sollte nun endlich passieren: Anfang September wollte ich mitten in der Natur übernachten. Das ist in Finnland unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. In den Nationalparks gibt es zahlreiche Plätze, an denen man sein Zelt aufschlagen kann – oft sogar mit Feuerstellen und WC beziehungsweise Plumpsklo.
Vor Ort wollte ich zwar spontan entscheiden, wo genau ich zelte. Zu Hause hatte ich mir aber zumindest schon einmal grob zwei Routen mit der Wander-App Komoot geplant.
Während meiner Zeit in Finnland war ich mit einem Mietwagen unterwegs. Dadurch musste ich nicht alles, was ich für die Reise dabeihatte, auch mit zum Zelt nehmen. Gerade mit meinem Laptop und meiner Kameraausrüstung war das natürlich praktisch. Außerdem ist es in der Region, in der ich unterwegs war, nicht ganz einfach, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Ausgangspunkten der Wanderungen zu kommen. Ohne Auto wäre es daher ohnehin schwierig geworden.
Ursprünglich hatte ich geplant, eine Nacht im Zelt zu schlafen und danach wieder in einer Unterkunft zu übernachten. So konnte ich meine technischen Geräte wie Smartphone und Kamera aufladen und gleichzeitig die nächste Route planen.
Mein Ziel war nicht, mehrere Tage am Stück mit dem Zelt unterwegs zu sein. Dafür hätte ich auch ganz anders packen müssen – vor allem deutlich mehr Essen und Trinken. Ich wollte maximal zwei Nächte am Stück, eher sogar nur eine, im Zelt verbringen.
Leider kam es etwas anders.
Schon bei meiner Ankunft in Helsinki war es ziemlich kalt. Das konnte man auch an der Kleidung der Menschen sehen, die teilweise bereits mit Winterjacke, Mütze und Handschuhen unterwegs waren. Für mich ging es anschließend mit dem Zug noch etwa vier Stunden Richtung Nordosten. In Joensuu schlief ich eine Nacht und holte am nächsten Tag meinen Mietwagen ab. Auch hier war es tagsüber bereits ziemlich kalt. Und da stellte sich natürlich die Frage: Wie kalt wird es dann bloß nachts?
Mein Schlafsack war zwar für Temperaturen bis -5 °C ausgelegt, aber so hatte ich mir mein erstes Zeltabenteuer dann doch nicht vorgestellt.
Jetzt werden sich manche vielleicht fragen: Kann man das nicht vorher wissen? Natürlich hatte ich mich über die Temperaturen zu dieser Jahreszeit informiert. Aber seien wir ehrlich: Klimatabellen geben eine grobe Orientierung, sind aber keine Garantie für das tatsächliche Wetter. Die Menschen vor Ort erzählten mir außerdem, dass es zu dieser Zeit außergewöhnlich kühl sei und das gesamte Jahr bisher ungewöhnlich verregnet und kalt gewesen war.
Als ich mir in einem großen Supermarkt eine Gaskartusche und ein Feuerzeug kaufte, stand für mich deshalb fest: Ich würde diese Nacht nicht im Zelt verbringen. Stattdessen zog ich meine Unterkunft, die eigentlich erst für den nächsten Tag geplant war, einfach um einen Tag vor.
Auch in den folgenden Tagen wurde es nicht wärmer. Stattdessen regnete es täglich. Ich verlängerte meinen Aufenthalt in der Unterkunft und irgendwann wurde es immer schwieriger, überhaupt noch eine passende Nacht für meinen Zeltversuch zu finden.
Ganz umsonst war die Ausrüstung trotzdem nicht dabei. Ich unternahm Tageswanderungen in alle Himmelsrichtungen und konnte dabei zumindest den Regenponcho nutzen, der ebenfalls zu meiner Zeltausrüstung gehörte.
Für die Reise hatte ich mir außerdem den Gaskocher einer Freundin, die auf dem Kungsleden unterwegs war, ausgeliehen. Die passende Gaskartusche und ein Feuerzeug kaufte ich vor Ort.
Zunächst war ich mir allerdings gar nicht sicher, ob und unter welchen Bedingungen ich den Gaskocher überhaupt nutzen durfte. Je nach Situation kann schließlich Waldbrandgefahr bestehen. Für eine einzelne Übernachtung wäre der Kocher aber ohnehin nicht unbedingt notwendig gewesen. Es lässt sich problemlos Essen mitnehmen, das man auch kalt essen kann.
Eine ausführliche Packliste ergibt an dieser Stelle deshalb auch wenig Sinn. Was du beim Zelten benötigst, hängt stark davon ab, wo und zu welcher Jahreszeit du unterwegs bist – und natürlich von den konkreten Temperaturen. Eine Nacht im Sommer auf einem Trekkingplatz ist schließlich etwas völlig anderes als eine Übernachtung Anfang September in Finnland.
Im Rother Wanderführer gibt es beispielsweise eine zweitägige Tour, die man in Finnland mit Zelt gehen kann:
Meine Zeltausstattung




EXPED kannte ich vor allem für leichte Outdoor-Ausrüstung. Das schien für mein Vorhaben ziemlich gut zu passen. Vor allem ist es praktisch, dass es von EXPED verschiedene Produkte gibt, die ich für meine Übernachtungen miteinander kombinieren konnte – vom Zelt über die Matte bis hin zum Schlafsack und Kissen.
Für mein erstes eigenes Campingprojekt habe ich also verschiedene Produkte von EXPED verwendet.
- Zelt: Mira I HL – das Modell ist inzwischen nicht mehr erhältlich und wurde vom Cassira I abgelöst.
- Schlafmatte: Ultra 3R M – bei einer Schlafmatte solltest du vor allem auf die passende Länge und Breite achten. Welche Größe für dich sinnvoll ist, hängt unter anderem von deiner Körpergröße und deiner bevorzugten Schlafposition ab.
- Schlafsack: Comfort -5 °C – auch beim Schlafsack lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Größen und die für den jeweiligen Einsatzbereich passende Temperaturangabe.
- Kissen: Down Pillow – klein und leicht und für mich deutlich angenehmer, als auf zusammengerollter Kleidung zu schlafen.
Zusätzlich hatte ich den EXPED Tarp Poncho dabei. Ich fand die Kombi aus Poncho und Tarp deutlich praktischer, als eine Rucksackhülle und eine Regenjacke separat mitzunehmen.
Welche Ausstattung für dich die richtige ist, hängt natürlich stark davon ab, wo, wann und bei welchen Temperaturen du unterwegs bist.
Lustigerweise war der Schlafsack so gemütlich, dass ich beim ersten Ausprobieren zu Hause auf dem Boden liegend kurz darin eingeschlafen bin. Das war dann doch ein ziemlich gutes Zeichen.
Mein Zeltjahr zusammengefasst

Ich gebe es zu und schäme mich auch nicht dafür: Wenn du diesen Artikel liest, wird ziemlich schnell klar, dass ich bisher gar keine Erfahrung mit Zelten und Übernachten in der Natur hatte. Vor ein paar Jahren ist auch der Versuch des Biwakierens gescheitert.
Generell war dieses Jahr – zumindest in den Zeiträumen, in denen ich überhaupt Zeit zum Zelten gehabt hätte – nicht gerade vom besten Wetter geprägt. Auch bei meinem geplanten Versuch in Österreich waren die Bedingungen alles andere als angenehm: stürmisches Wetter, Regen und teilweise sogar Gewitter.
Da habe ich mich irgendwann gefragt, wie viel Abenteuer es für die erste Zeltnacht eigentlich wirklich braucht. Schließlich möchte ich beim Zelten nicht möglichst viele schwierige Bedingungen sammeln, sondern vor allem eine gute Zeit draußen haben.
Ob ich mich auch im nächsten Jahr wieder ans Zelten wage, weiß ich noch nicht. Nach meiner ersten Nacht im Frankenwald habe ich jedenfalls nicht aufgehört, nach weiteren Trekkingplätzen zu suchen. Ganz abgeschlossen ist das Thema also noch nicht.
Die Ausrüstung wurde mir freundlicherweise von EXPED für dieses Projekt zur Verfügung gestellt. Nach Abschluss werde ich sie wieder zurückschicken.

