Du möchtest mehrere Tage am Stück wandern und suchst nach einer passenden Route in Deutschland? Dafür musst du nicht unbedingt in die Alpen. Auch die deutschen Mittelgebirge bieten abwechslungsreiche Fernwanderwege, auf denen du mehrere Tage unterwegs sein kannst.
Mehrtageswanderungen in Deutschland im Überblick
In den vergangenen Jahren habe ich einige Mehrtageswanderungen ausprobiert: vom Eifelsteig durch die Mittelgebirgslandschaften Nordrhein-Westfalens, über den Altmühltal-Panoramaweg in Bayern bis hin zur Alpenüberquerung vom Tegernsee nach Sterzing. Mal war ich im Frühling, mal im Sommer und mal im goldenen Oktober unterwegs, mal bei Sonnenschein, mal bei Regen.
Hier stelle ich dir sieben Mehrtageswanderungen vor, die ich selbst gemacht habe. Ich verrate dir, was die einzelnen Wanderwege ausmacht, welche Abschnitte ich gegangen bin und wem ich die Touren empfehlen würde. Zwei der Wanderwege führen übrigens über die deutschen Grenzen hinaus: Die Alpenüberquerung startet am Tegernse in Bayern, der Lechweg endet in Füssen im Allgäu.
Die folgende Tabelle zeigt dir die Gesamtlängen der sieben Wanderwege. Du musst nicht jeden Fernwanderweg vollständig gehen: Alle lassen sich auch in kürzeren Abschnitten erwandern.
| Wanderweg | Gesamtlänge |
|---|---|
| Alpenüberquerung Tegernsee–Sterzing | 100 km |
| Lechweg | 125 km |
| Eifelsteig | 313 km |
| Altmühltal-Panoramaweg | 200 km |
| FrankenwaldSteig | 242 km |
| Moselsteig | 365 km |
| Mehrtagestour im Sauerland | 60 km |
1. Alpenüberquerung vom Tegernsee nach Sterzing
Deutschland, Österreich und Italien




Eine Alpenüberquerung zu Fuß ist für viele Wanderbegeisterte ein großer Traum. Eine beliebte Route führt vom Tegernsee in Bayern über Tirol bis ins italienische Sterzing. Dabei wanderst du durch ganz unterschiedliche Landschaften: von grünen Voralpen über idyllische Täler bis in die hochalpine Bergwelt.
Ich habe die Alpenüberquerung im Juli gemacht und war sieben Tage unterwegs. Was mir an dieser Tour gefallen hat, war die Abwechslung zwischen den einzelnen Wandertagen. Du startest in der bayerischen Voralpenlandschaft, erreichst den türkisblauen Achensee und wanderst schließlich immer weiter Richtung Süden bis nach Italien.
Im Gegensatz zu einer klassischen Hüttentour lässt sich diese Alpenüberquerung mit Übernachtungen im Tal organisieren. Ich war mit organisiertem Gepäcktransport unterwegs, sodass ich nur meinen Tagesrucksack tragen musste. Je nach Etappenplanung kommen auch öffentliche Verkehrsmittel oder Transfers zum Einsatz.
Wem würde ich die Alpenüberquerung empfehlen?
Allen, die bereits Wandererfahrung und eine gute Grundkondition mitbringen und sich den Traum einer Alpenüberquerung erfüllen möchten, ohne ausschließlich auf hochalpinen Steigen unterwegs zu sein. Auch als erste Alpenüberquerung kann die Route eine gute Wahl sein, wenn du die Etappen sorgfältig planst. Trotzdem solltest du die täglichen Höhenmeter und die Anforderungen der Bergwege nicht unterschätzen. Du solltest unbedingt bereits Erfahrung in alpineren Gegenden gesammelt haben.
Beste Wanderzeit: Juni bis September, abhängig von Schneelage und Wetter.
2. Lechweg – Dem letzten Wildfluss der Nordalpen folgen
Vorarlberg, Tirol und Bayern




Der Lechweg verbindet die österreichische Bergwelt mit dem bayerischen Allgäu. Er beginnt beim Formarinsee in Vorarlberg und folgt dem Lech über Tirol bis zum Lechfall bei Füssen. Dabei begleitet dich der Fluss auf weiten Strecken – mal als schmaler Gebirgsbach, mal als türkisblauer Wildfluss.
Was den Lechweg ausmacht, ist für mich die Kombination aus Bergpanorama, Wasser und abwechslungsreichen Talwegen. Unterwegs wanderst du durch malerische Ortschaften, über Wiesen und entlang naturbelassener Flussabschnitte. Zu den bekannten Höhepunkten gehört die Hängebrücke bei Holzgau.
Der Lechweg ist kein klassischer Höhenweg. Trotzdem kommen über die gesamte Strecke einige Kilometer und Höhenmeter zusammen. Gerade für eine erste längere Weitwanderung kann es sinnvoll sein, die Tagesetappen nicht zu ambitioniert zu planen.
Wem würde ich den Lechweg empfehlen?
Naturbegeisterten, die gerne mehrere Tage in einer alpinen Landschaft wandern möchten, ohne täglich einen Gipfel besteigen zu müssen. Auch für Genusswanderer ist der Lechweg interessant, weil sich viele Etappen mit Übernachtungen in den Ortschaften verbinden lassen.
Beste Wanderzeit: Juni bis September; die hoch gelegenen Abschnitte sind von den Schneeverhältnissen abhängig.
3. Eifelsteig – Durch Hochmoore und den Nationalpark Eifel
Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz




Der Eifelsteig führt auf rund 313 Kilometern in 15 Etappen von Aachen bis Trier. Dabei durchquerst du ganz unterschiedliche Landschaften: das Hohe Venn, die Wälder des Nationalparks Eifel und weiter südlich die Vulkanlandschaften der Eifel.
Ich war im Oktober vier Tage auf den ersten Etappen zwischen Kornelimünster und Gemünd unterwegs. Besonders schön fand ich die Struffelheide, die historische Altstadt von Monschau und die abwechslungsreichen Waldwege. An den ersten beiden Tagen hatte ich noch Sonnenschein, anschließend wurde es ziemlich nass. Eine gute Regenjacke gehört bei einer Herbstwanderung also unbedingt ins Gepäck.
Der Eifelsteig bietet sich auch an, wenn du nur ein verlängertes Wochenende Zeit hast. Du kannst einzelne Etappen miteinander kombinieren, statt direkt den gesamten Fernwanderweg zu gehen. Aber auch das ist möglich.
Wem würde ich den Eifelsteig empfehlen?
Wanderern, die abwechslungsreiche Mittelgebirgslandschaften mögen und gerne Natur mit historischen Orten verbinden. Für Einsteiger ins Mehrtageswandern würde ich zunächst einen kürzeren Abschnitt mit moderaten Tagesetappen wählen.
Beste Wanderzeit: April bis Oktober, wobei du im Herbst mit wechselhaftem Wetter rechnen solltest.
Mein Erfahrungsbericht: Eifelsteig – Weitwandern zwischen Aachen und Trier
4. Altmühltal-Panoramaweg – Wandern zwischen Felsen und Wacholderheiden
Bayern




Der rund 200 Kilometer lange Altmühltal-Panoramaweg führt von Gunzenhausen nach Kelheim durch den Naturpark Altmühltal. Dich erwarten imposante Kalksteinfelsen, sonnige Wacholderheiden, historische Burgen und immer wieder schöne Ausblicke über das Flusstal.
Ich war Mitte Oktober fünf Tage in der Region und bin an drei Wandertagen auf fünf Etappen des Panoramawegs unterwegs gewesen. Besonders beeindruckt haben mich die Zwölf Apostel bei Solnhofen, die Gungoldinger Wacholderheide und die felsige Klamm bei Riedenburg. Die goldenen Herbstfarben haben die Landschaft zusätzlich in Szene gesetzt.
Unterwegs kannst du historische Orte wie Eichstätt und Kelheim entdecken und gemütlich einkehren. Ich habe in beiden Städten übernachtet und bin von dort zu meinen Wanderungen gestartet.
Wem würde ich den Altmühltal-Panoramaweg empfehlen?
Allen, die gerne genussvoll wandern und dabei auch Kultur, Sehenswürdigkeiten und gutes Essen erleben möchten. Für eine erste Mehrtagestour ist der Weg ebenfalls interessant, sofern du Etappen wählst, die zu deiner Kondition passen.
Beste Wanderzeit: April bis Oktober. Ich kann dir den Herbst aus eigener Erfahrung empfehlen.
Mein Erfahrungsbericht: Altmühltal-Panoramaweg – Meine Etappen, Highlights und Tipps
5. FrankenwaldSteig – Weitwandern durch Bayerns Norden
Bayern




Der FrankenwaldSteig führt auf rund 242 Kilometern durch den Naturpark Frankenwald im Norden Bayerns. Auf dem Rundwanderweg wechseln sich ausgedehnte Wälder, offene Hochflächen, kleine Ortschaften und aussichtsreiche Höhenwege ab.
Meine Wanderung begann im Bayerischen Staatsbad Bad Steben. Direkt vom Kurpark aus ging es vorbei an der historischen Wandelhalle und der Therme hinaus in die Natur. Was ich am FrankenwaldSteig mag, ist die Mischung aus ruhigen Waldwegen, weiten Aussichten und kulturellen Sehenswürdigkeiten. Gerade abseits der bekannteren Wanderregionen Deutschlands lässt sich hier wunderbar abschalten.
Du kannst den FrankenwaldSteig als längere Rundwanderung planen oder dir einzelne Etappen für einen kürzeren Wanderurlaub aussuchen.
Wem würde ich den FrankenwaldSteig empfehlen?
Wanderern, die gerne abseits der großen Touristenströme unterwegs sind und ruhige Mittelgebirgslandschaften schätzen. Auch wenn du bereits einige Mehrtagestouren gemacht hast und eine neue Wanderregion entdecken möchtest, ist der Frankenwald eine gute Wahl.
Beste Wanderzeit: Mai bis Oktober.
6. Moselsteig – Wandern mit Blick auf die Mosel
Rheinland-Pfalz




Der Moselsteig gehört zu den bekanntesten Fernwanderwegen Deutschlands. Auf rund 365 Kilometern führt er in 24 Etappen von Perl an der französisch-luxemburgischen Grenze bis nach Koblenz, wo die Mosel in den Rhein mündet.
Ich bin unter anderem die 16. Etappe über den Calmont mit Blick auf die Moselschleife bei Bremm sowie mehrere Etappen zwischen Cochem und Koblenz und zwischen Trier und Bernkastel-Kues gewandert. Unterwegs erwarten dich steile Weinberge, schmale Pfade, Burgruinen und zahlreiche Aussichtspunkte über die Mosel.
Unterschätzen solltest du den Moselsteig allerdings nicht. Durch das ständige Auf und Ab kommen einige Höhenmeter zusammen. Dafür ist die Wanderinfrastruktur gut ausgebaut. Einige Etappenorte haben einen Bahnhof, was die Planung mit öffentlichen Verkehrsmitteln erleichtert. Auch Gepäcktransport lässt sich organisieren.
Wem würde ich den Moselsteig empfehlen?
Allen, die aussichtsreiche Wanderwege mögen und Natur gerne mit Weinorten, Burgen und Kulinarik verbinden. Wenn du bereits etwas Wandererfahrung mitbringst, findest du hier viele abwechslungsreiche Etappen. Für Einsteiger eignen sich ausgewählte kürzere Abschnitte.
Beste Wanderzeit: April bis Oktober. Zur Weinlese im Herbst hat die Region ihren eigenen Reiz.
Mein Erfahrungsbericht: Moselsteig – Meine Erfahrungen an mehreren Wandertagen
7. Sauerland – Meine Mehrtagestour durch das Rothaargebirge
Nordrhein-Westfalen und Hessen




Im Sauerland gibt es zahlreiche Fernwanderwege, darunter den bekannten Rothaarsteig. Für meine eigene Mehrtagestour habe ich verschiedene Wanderwege miteinander kombiniert und war an zwei halben und zwei ganzen Wandertagen rund 60 Kilometer unterwegs.
Meine Route führte von Winterberg über Elkeringhausen und Willingen bis nach Brilon und Olsberg. Unterwegs habe ich den Schluchten- und Brückenpfad, die Ruhrquelle, die Hochheide Neuer Hagen und die Bruchhauser Steine kennengelernt. Die Tour eignet sich für ein verlängertes Wochenende. Ein weiterer Vorteil ist die An- und Abreise mit der Bahn.
Wem würde ich diese Mehrtagestour empfehlen?
Allen, die das Mehrtageswandern ausprobieren möchten und eine abwechslungsreiche Route für drei bis vier Tage suchen. Du solltest allerdings eine gewisse Grundkondition mitbringen, denn auch im Sauerland geht es immer wieder bergauf und bergab.
Beste Wanderzeit: Mai bis Oktober.
Mein Erfahrungsbericht: Wandern im Sauerland – Meine Mehrtagestour durch das Rothaargebirge
Fazit: Mehrtageswandern in Deutschland ist unglaublich vielseitig
Ob du durch die Weinberge an der Mosel, die Wälder der Eifel oder die Felslandschaften im Altmühltal wanderst: Deutschland bietet zahlreiche Möglichkeiten, mehrere Tage am Stück zu Fuß unterwegs zu sein.
Was mir am Mehrtageswandern gefällt, ist, dass ich eine Region viel intensiver kennenlerne als bei einem kurzen Ausflug. Du musst dafür weder mehrere Wochen Urlaub einplanen noch einen kompletten Fernwanderweg gehen. Schon drei oder vier Wandertage können ein wunderbares Erlebnis sein, das Lust auf mehr macht. So ich es mir ergangen, als ich meine allererste Mehrtagestour gemacht habe: der Lechweg.
Wenn du noch mehr Inspiration suchst, findest du in meinem Artikel über Mehrtageswanderungen in Europa weitere Touren, die ich selbst gewandert bin.

