Südfrankreich ist ein echtes Wanderparadies und bietet Touren für jeden Geschmack: von Küstenwegen an der Côte d’Azur bis zu anspruchsvollen Bergwanderungen im alpinen Hinterland – von den Seealpen bis zur Haute-Provence. Hier stelle ich dir einige meiner liebsten Wanderungen vor, die wir selbst unternommen haben.
1. Le Cap Roux: Wanderung durch die roten Felsen
Gehzeit: 2,5 Stunden | Distanz: 6,3 km | Höhenmeter: 250 | Meine Tour auf Komoot ↗





Eine ganz besondere Landschaft an der französischen Riviera unweit von Cannes ist das Le Cap Roux im Massif de l’Estérel.
Hier an der Küstenstraße liegt der Einstiegspunkt. Es gibt Parkplätze, die auch von den Strandbesuchern genutzt werden – und sogar eine Bushaltestelle. Zunächst gehen wir die Straße hinter der Schranke hinauf und wechseln bald auf einen Wanderweg. Durch die mediterrane Vegetation, die nach Thymian duftet, tauchen wir immer tiefer in die rote Felsenlandschaft ein. Es gibt mehrere Routen zur Auswahl, deren Abschnitte gelb oder blau markiert sind. Wir folgen zunächst der gelben Markierung und steigen immer weiter auf. Teilweise ist der offizielle Weg zugewuchert, sodass wir auf den schmalen Pfaden nicht ganz so zügig vorankommen. Zwar könnte man bis auf den Gipfel des Pic du Cap Roux aufsteigen, aber wir entscheiden uns dagegen und setzen unseren Rundweg unterhalb auf der gelben Route fort und wechseln für einen kürzeren Abstieg auf den schottrigen Direktweg zur Straße. Den letzten Kilometer gehen wir auf dem breiten Weg, wo wir auch auf Radfahrer treffen.
2. Mont Lion: Gipfeltour im Hinterland der Côte d’Azur
Gehzeit: 5 Stunden | Distanz: 14,6 km | Höhenmeter: 820 | Meine Tour auf Komoot ↗




Nur wenige Gehminuten vom malerischen Bergdorf Gilette (einer der schönsten Orte an der Côte d’Azur im alpinen Hinterland) entfernt befindet sich der Ausgangspunkt für die Bergtour auf den Mont Lion (1.049 m). Üblich für eine Gipfelwanderung, aber zunächst müssen wir ein Stück absteigen, um dann den Berg in Angriff zu nehmen. Orientierung bieten die Holzwegweiser „Tour du Mont Lion“, die den Rundweg markieren.
Der Aufstieg ist steil, aber kürzer als der Abstieg. Dennoch zieht er sich ein wenig. Wir erblicken immer wieder den Sendemast, wobei das Ziel etwas weiter von diesem entfernt liegt. Mal wandern wir durch herrliche Waldabschnitte und dann wieder bei komplett freier Sicht mit abwechslungsreichem Gelände. Am höchsten Punkt entdecken wir ein kleines Gipfelkreuz und finden ein Plätzchen für eine Pause. Hier oben genießen wir den Ausblick auf die weite Landschaft. Dann entscheiden wir uns für den längeren, dafür weniger steilen Abstieg, der jedoch ebenfalls einige steilere Passagen bereithält. Als wir auf die uns bereits bekannte Gabelung treffen, wählen wir zurück nach Gilette die Straße.
Zum Abschluss lohnt sich noch ein kurzer Abstecher in das spektakulär auf einem dunklen Felsvorsprung gelegene Dorf.
3. Mont Chauve d’Aspremont: Gipfelumrundung bei Nizza
Gehzeit: 2 Stunden | Distanz: 5,2 km | Höhenmeter: 230 | Meine Tour auf Komoot ↗


Bei dieser Wanderung gehen wir nicht ganz bis zum Gipfel hinauf (was aber möglich wäre), sondern umrunden den Mont Chauve d’Aspremont (854 m) mit seinem Sendemast großzügig. Dieser liegt unweit von Nizza im Hinterland der Côte d’Azur.
Vom offiziellen Parkplatz ↗ in der Nähe der Schule in Aspremont gehen wir gegen den Uhrzeigersinn um den Berg herum. Wir gewinnen auf dem Wanderpfad schnell Höhenmeter und bekommen Aussicht ins weite Var-Tal geboten. Am Weg liegen Mauernreste und Ruinen. Abschnittsweise ist der Aufstieg und später der Abstieg recht steil. Auf halber Strecke wechseln wir ein Stück auf einer asphaltierten Straße und kommen zu einer Schranke, wo wir Pferde entdecken. Anschließend wechseln wir wieder auf einen Pfad und passieren eingezäunte Ziegen. Auf steinigem Weg geht es weiter hinab auf Ausgangshöhe.
4. Roc de Castellane: Zur Kapelle Notre-Dame du Roc
Gehzeit: 1,5 Stunden | Distanz: 3,5 km | Höhenmeter: 170 | Meine Tour auf Komoot ↗







In der mittelalterlichen Stadt von Castellane in der Region Alpes-de-Haute-Provence thront auf einem Felsen eine Kapelle mit Marienstatue (Chapelle Notre-Dame du Roc).
Wir erwandern uns das Ziel in einem Rundweg und steigen über die Stufen des Kreuzwegs hinauf. Am Ziel angekommen, überblicken wir Castellane und das Verdontal – und die nahen Berge, die ebenfalls lohnende Touren sind. Ein Stück abseits der Kapelle ragt unscheinbar der eigentliche Gipfel auf. Wir setzen den Rundweg fort und steigen auf der anderen Seite ab und kommen an den Ruinen vorbei.
5. Mont Richarmet: Gipfeltour über Sauze Vieux
Gehzeit: 4,5 Stunden | Distanz: 14,2 km | Höhenmeter: 580 | Meine Tour auf Komoot ↗







In Guillaumes gehen wir entlang des Flusses Var, bis wir auf einen Wegweiser stoßen, der „Sauze Vieux“ anzeigt. Uns steht nun ein sehr langer, aber nicht allzu steiler Anstieg in unendlich vielen Serpentinen an, bis wir schließlich die Siedlung Sauze Vieux erreichen. Bis zum Gipfel des Mont Richarmet (1.311 m) ist es nicht mehr weit und wir legen eine Rast ein.
Vom höchsten Punkt der Tour steigen wir ein Stück ab und gehen auf der asphaltierten Straße bis Sauze, einem kleinen Bergdorf. Von dort steigen wir über den kürzeren Wanderweg und mal über die längere Straße hinab bis zum Ausgangspunkt Guillaumes. Während des Abstiegs haben wir einen Blick auf das riesige Felsloch unterhalb des Gipfels, auf dem wir gestanden haben.
6. Villeneuve d’Entraunes: Runde zu den Bergbauernhöfen
Gehzeit: 5 Stunden | Distanz: 15 km | Höhenmeter: 800 | Meine Tour auf Komoot ↗




Unser Auto stellen wir in Villeneuve d’Entraunes ab und queren den Fluss Var. Zunächst wandern wir noch recht flach und gelangen zu den Weilern Les Filleuls und Les Philippons. Es folgt ein langer Anstieg durch den herrlichen Wald mit zahlreichen Serpentinen. Flacher wird es wieder zwischen beiden Streusiedlungen Les Anouns und Les Vallieres. Weiter auf Wanderpfaden gehen wir durch den Wald und dann durch eine offene Schlucht, wo wir den Weg durch die vielen Felsblöcke suchen müssen und mehrere Fließgewässer queren. Abenteuerlich geht es weiter über schmale Pfade und zugewachsene Wege, bis wir letztendlich eine Straße erreichen und folgen dieser über mehrere Kurven hinweg. Durch die karstige Berglandschaft gehen wir aussichtsreich bergab, dann erreichen wir wieder Villeneuve.
7. Mercantour Nationalpark: Tour zum kleinen Bergsee
Gehzeit: 2 Stunden | Distanz: 8 km | Höhenmeter: 400 | Meine Tour auf Komoot ↗




Der Ausgangspunkt in Entraunes liegt bereits auf über 1.700 Metern über dem Meer. Von der Chapelle de la Sainte Trinite gehen wir auf dem Wanderpfad zum See Lac d’Estenc (wo unweit auch die Quelle des Flusses Var liegt) und weiter nördlich zum Refuge de la Cantonnière. Dabei lassen die Höhenmeter nicht lange auf sich warten. Nachdem wir kurz auf der Straße gehen, wechseln wir in der nächsten Kurve wieder auf den Wanderweg und queren nach ein paar Minuten noch zweimal die Straße, bis wir tiefer in den Nationalpark Mercantour eintauchen. Über Wiese, später über Steinblöcke, wandern wir auf den abwechslungsreichen Pfaden immer weiter bergauf. Über eine Geröllrampe gewinnen wir weitere Höhenmeter und blicken auf die zerklüfteten Berge um uns herum, wo bis weit in den Juni hinein noch Altschneefelder liegen können. Nach einiger Zeit erreichen wir einen kleinen Bergsee (oder besser gesagt eine Lacke), die zum Bach Ruisseau du Gorgias gehört.
Wer mag, geht noch ein bisschen weiter und nimmt dann den Aufstieg nach links oben, um den Rundweg in höherer Lage fortzusetzen und zur Cabanes de Sanguinière (einer malerisch gelegenen Hütte) abzusteigen.
8. Col de la Cayolle: Seenwanderung im Hochgebirge
Gehzeit: 1,5 Stunden | Distanz: 3,3 km | Höhenmeter: 160 | Meine Tour auf Komoot ↗






Am Parkplatz des Col de la Cayolle starten wir unsere kurze Wanderung zum See der Petite Cayolle. Zunächst gehen wir den steilen Pfad hinauf und blicken dann auf einige Schneefelder. Mehrere müssen wir queren, um schließlich den ersten kleinen See zu erreichen. Unten am Gewässer entdecken wir zahlreiche Frösche, die lautstark quaken. Aufgrund der frühsommerlichen Schneeverhältnisse können wir leider nicht weiter zum Lac d’Allos wandern und kehren an dieser Stelle um.
9. Ubaye-Tal: Seenwanderung zu l’Oronaye und Roburent
Gehzeit: 5,5 Stunden | Distanz: 16 km | Höhenmeter: 700 | Meine Tourenbeschreibung




Die Wanderung zu den Seen Lac de l’Oronaye und Lago Superiore di Roburent gehört zu den eindrucksvollsten Touren in der gesamten Region. Auf abwechslungsreichen Pfaden zwischen Frankreich und Italien erwarten dich türkisfarbene Bergseen, blühende Wiesen, Murmeltiere und ein beeindruckendes Panorama auf die umliegenden Gipfel. Besonders spannend: Die Tour führt dich mitten durch eine echte Hochgebirgslandschaft auf rund 2.500 Metern Höhe.
Der anfängliche Abschnitt zur ersten Seeregion zieht sich etwas, stimmt aber perfekt auf die Landschaft ein. Es geht zunächst steiler bergauf, vorbei an einem Wasserfall des Oronaye-Bachs und über feuchte Passagen, die vom Schmelzwasser gespeist werden. Schon bald öffnet sich der Blick auf den ersten See, der sich ruhig in die Landschaft einfügt und in dem sich der markante Bec du Lièvre spiegelt.
Je weiter du aufsteigst, desto eindrucksvoller und alpiner wird die Szenerie. Blühende Wiesen, tiefblaue Enziane und schroffe Gipfel begleiten dich bis zum Col du Roburent, wo du die Grenze von Frankreich nach Italien überschreitest. Dort wartet der Lago Superiore di Roburent – ein tiefblauer, hufeisenförmiger Bergsee, umgeben von steilen Felswänden und historischen Militärresten. Wer noch weitergeht, wird mit den ruhigeren Seen Lago Mediano und Lago Inferiore di Roburent belohnt, bevor es über verschiedene Rückwegoptionen wieder zurück ins Tal geht.
Hier habe ich einen ausführlichen Artikel zur Wanderung im Ubaye Tal zu den Seen l’Oronaye & Roburent für dich.
Weitere Wanderungen in Südfrankreich

Unsere Liste an Wanderungen war länger, als wir tatsächlich geschafft haben. Rund um die Verdon-Schlucht (in den Alpes-de-Haute-Provence) haben wir uns vor allem auf die Aussichtspunkte entlang der Straße konzentriert und dem Tretbootfahren den Vorzug gegeben. Generell gilt: Die Touren in dieser Region sind oft anspruchsvoller, mit schmalen, teils abschüssigen Wegen und gelegentlichen seilversicherten Passagen.
Auch eine Wanderung durch die Gorges du Loup haben wir leider nicht geschafft.
Im Mercantour Nationalpark (Alpes-Maritimes) und im Ubaye Tal (Alpes-de-Haute-Provence) hätten wir auch gern weitere Wanderungen unternommen. Da selbst Anfang bis Mitte Juni in höheren Lagen noch viel Schnee lag, mussten wir dementsprechend planen und unsere Touren waren etwas eingeschränkter. Zum Beispiel war der Allos-See aufgrund der Schneelage (noch) nicht begehbar.
Wenn du im Frühsommer unterwegs bist, solltest du die Schneelage in höheren Regionen unbedingt im Blick behalten. Gerade im Mercantour Nationalpark oder rund um den Lac d’Allos können Wege noch gesperrt oder nur eingeschränkt begehbar sein.
Meine vier Buchtipps für Touren:




