Weite Heideflächen, sandige Wege, kleine Dünen und dazwischen dunkle Vennen: Die Landschaft der Kalmthoutse Heide wirkt erstaunlich exotisch. Mal erinnert sie an die afrikanische Savanne, mal an die nordische Tundra oder das australische Outback. Und das mitten in Belgien.
Was macht die Kalmthoutse Heide so besonders?


Auf rund 6.000 Hektar erstreckt sich die Kalmthoutse Heide, eine abwechslungsreiche Landschaft aus offenen Heideflächen, sandigen Dünen, Kiefernwäldern und kleinen sowie größeren Vennen. Was mich dabei besonders überrascht hat: Die Landschaft verändert sich auf der Wanderung immer wieder. Gerade noch wanderst du durch eine weite, fast karge Umgebung, wenig später führt der Weg durch einen lichten Wald oder vorbei an einem vogelreichen Gewässer.
Das Naturgebiet liegt direkt an der belgisch-niederländischen Grenze und gehört zum Grenspark Kalmthoutse Heide. Die Grenze verschwindet dabei nahezu vollständig in der Landschaft. Wanderwege führen ganz selbstverständlich von Belgien in die Niederlande und wieder zurück.
Besonders eindrucksvoll ist die Weite in alle Richtungen. An vielen Stellen gibt es nur wenige Gebäude oder andere Spuren menschlicher Besiedlung. Stattdessen blickst du über Heideflächen, Dünen und Wasser und hörst vor allem den Wind und die Geräusche der Natur. Kein Wunder, dass die Kalmthoutse Heide als 3-Sterne-Ruhegebiet ausgezeichnet ist.
Und dann gibt es natürlich noch die Heideblüte: Vor allem im August und September verwandeln sich große Teile der Landschaft in ein lila Blütenmeer. Aber auch außerhalb dieser Zeit lohnt sich ein Besuch – denn je nach Jahreszeit zeigt die Kalmthoutse Heide ein völlig anderes Landschaftsbild.
Meine Wanderung durch die Kalmthoutse Heide






Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, den Heide Trail zu wandern. Die rund 12,4 Kilometer lange Route startet am Besucherzentrum Visit Kalmthout (für mich am Hotel Jerom) und führt einmal durch die abwechslungsreiche Landschaft der Kalmthoutse Heide. Doch schon nach den ersten Metern war klar: So schnell würde ich heute nicht vorankommen.
Der breite Weg am Anfang der Route ist von einigen kleinen Pfaden gesäumt, die immer wieder in die Heide abzweigen. Und natürlich musste ich wissen, wohin sie führen. Schon bald zog es mich auf einen dieser schmalen Wege nach rechts – und plötzlich lag vor mir eine offene Heidelandschaft mit einer auffällig schönen Kiefer in Alleinlage. Ihre Äste breiteten sich tief und weit über dem sandigen Boden aus, während ringsherum nur Heide und vereinzelte Bäume zu sehen waren. Irgendetwas an diesem Anblick faszinierte mich sofort. Also blieb ich stehen und ging dann mehrfach um den Baum herum, fotografierte ihn aus allen möglichen Perspektiven. Eine gute halbe Stunde habe ich vermutlich bei dieser Kiefer verbracht.
Irgendwann ging es dann doch weiter auf der ursprünglichen Route. Mein nächstes Ziel war das Putse Moer, ein kleines Moorgebiet mitten in der Heide. Bei meiner Wanderung Mitte August war davon allerdings nicht besonders viel Wasser zu sehen. Trotzdem ist es ein schönes, ruhiges Plätzchen und bestens geeignet für eine kurze Pause. Also nahm ich auf einem Baumstamm-Stück Platz und ließ die Landschaft erst einmal auf mich wirken.
Schon aus der Entfernung war ein weiterer Orientierungspunkt nicht zu übersehen: der Feuerturm (Brandtoren). Mit seinen 24 Metern Höhe ragt er deutlich über die Heide hinaus. Die Route führt allerdings zunächst nicht direkt dorthin. Stattdessen ging es weiter durch die offene Landschaft, in der immer wieder einzelne Bäume aus der Landschaft herausragen.
Und natürlich blieb es nicht bei einem davon. Wieder entdeckte ich einen Baum, der unbedingt fotografiert werden wollte. Also hieß es erneut: Fotopause, Rucksack absetzen und Kamera einschalten.
Spätestens hier hatte ich mich von meinem ursprünglichen Plan ohnehin verabschiedet. Als ich an einer Tafel vorbeikam, entdeckte ich den Hinweis auf eine besonders robuste Kuhrasse, die in diesem Bereich der Heide zu finden ist. Das klang interessant – und so bog ich kurzerhand von der ursprünglichen Route nach links ab und folgte dem Weg durch das Weidegebiet.
Die Highland-Rinder bekam ich zwar leider nicht zu Gesicht, dafür entdeckte ich frische Spuren, die zumindest darauf hindeuteten, dass sie hier unterwegs gewesen waren. Landschaftlich war dieser Abstecher aber ohnehin ein Volltreffer. Die Heide wirkte hier fast wie eine kleine Savannenlandschaft: Der sandige Boden leuchtete orange, dazwischen wuchsen Gräser und vereinzelte Bäume. Vom typischen Lila der Heideblüte war hier weniger etwas zu sehen. Stattdessen dominierte eine warme, fast goldene Farbpalette.
Mein nächstes Ziel war das Stappersven. Und dieses konnte ich schon hören, bevor ich es richtig zu Gesicht bekam. Rund um das Gewässer herrschte reges Treiben: Vögel schnatterten und gackerten um die Wette, sodass es rund um den See alles andere als still war. Direkt zum Ufer kam ich jedoch nicht.
Eigentlich hätte ich das Stappersven umrunden können. Stattdessen entschied ich mich, in südlicher Richtung über den Stappersven-Turm weiterzugehen. Von dort führt der Weg später wieder in einen Bereich, der als Weidegebiet ausgewiesen ist. Auch hier hoffte ich noch auf die besonderen Bewohner der Heide. Doch die Tiere blieben diesmal ebenfalls unsichtbar.
Dafür wartete eine andere Überraschung auf mich: schmale, teilweise schon ziemlich zugewachsene Pfade, die mitten durch die blühende Heide führten. Links und rechts ragten die lila Blüten empor und umgaben mich wie ein Meer. Genau solche Momente sind es, wegen derer ich beim Wandern gerne vom eigentlichen Weg abweiche.
Überhaupt ist mir bei meiner Wanderung aufgefallen, wie viele Möglichkeiten es in der Kalmthoutse Heide gibt. Immer wieder verlaufen mehrere Wege parallel zueinander und man kann sich entscheiden: Möchte ich lieber auf dem breiten Weg weitergehen oder einen schmalen, sandigen Pfad mitten durch die Heide nehmen?
Nach rund fünf Stunden kam ich schließlich wieder am Ausgangspunkt an. Aus den geplanten 12,4 Kilometern war damit vor allem eines geworden: eine sehr langsame, spontane und ausgesprochen fotogene Wanderung, die Lust auf einen weiteren Tag in der Heide macht.
Und genau das hat die Kalmthoutse Heide für mich so faszinierend gemacht. Hier hatte ich nie das Gefühl, einfach nur einer vorgegebenen Route folgen zu müssen. Immer wieder gab es kleine Pfade, besondere Bäume, Aussichtspunkte oder Landschaften, die mich neugierig gemacht haben. Und manchmal lohnt es sich eben, stehen zu bleiben und den ursprünglichen Wanderplan über den Haufen zu werfen.
Wie finde ich die passende Wanderroute?

Wenn du die Kalmthoutse Heide zum ersten Mal besuchst, würde ich dir empfehlen, dich vorab auf der offiziellen Website der Region über die verschiedenen Wanderungen zu informieren. Dort kannst du nachsehen, welche Distanz für dich passend ist und an welchem Ausgangspunkt du deine Wanderung starten möchtest.
Das Wandersystem in der Kalmthoutse Heide ist dabei ziemlich unkompliziert. An den Weggabelungen findest du Knotenpunkte und für die verschiedenen Routen gibt es eigene Tiersymbole (zum Beispiel ein Schaf oder eine Libelle), die dir zeigen, welchem Weg du folgen musst. So kannst du dich auch vor Ort gut orientieren.
Bei der Wahl des Weges hast du außerdem ziemlich viel Abwechslung: Es gibt breite und gut zugängliche Wege, aber auch schmale, naturbelassene Pfade, die mitten durch die Heide führen. Genau diese Mischung macht es aus. Je nachdem, worauf du Lust hast, kannst du gemütlich auf einem breiten Weg unterwegs sein oder einen etwas zugewucherten Pfad durch die Heidelandschaft wählen. Beachte allerdings, dass Hunde nicht auf allen Wegen beziehungsweise in allen Bereichen erlaubt sind.
Nicht nur Wanderer kommen hier auf ihre Kosten. Auch Radtouren führen durch die Kalmthoutse Heide und ermöglichen es, größere Teile des weitläufigen Naturgebiets zu erkunden.
Eine ausführliche Karte mit den Wanderwegen, Radrouten, Reitstrecken und den verschiedenen Aussichtspunkten findest du auf der offiziellen Website der Region: Karte der Kalmthoutse Heide auf der offiziellen Website ↗.
Die Kalmthoutse Heide bei Sonnenuntergang



Nach meinem Abendessen in der Bosbar konnte ich es nicht lassen und bin noch einmal losgezogen. Ich wollte die Kalmthoutse Heide unbedingt noch bei Sonnenuntergang erleben.
Mein erster Weg führte mich wieder zu meinem Lieblingsbaum. Schon am Morgen hatte mich die alte Kiefer inmitten der offenen Heidelandschaft so fasziniert, dass ich sie noch einmal besuchen wollte. Im warmen Abendlicht wirkte sie nun noch einmal ganz anders. Allerdings war ich nicht die einzige mit der Idee und es fand gerade ein Fotoshooting und ein romantisches Picknick statt.
Von dort aus folgte ich schmalen Pfaden weiter durch die Heide. Links und rechts erstreckten sich die blühenden Pflanzen, während die Sonne langsam tiefer stand und die Landschaft in ein warmes Licht tauchte. Mein spontanes Ziel für den Abend war der Feuerturm.
Die Stimmung am Abend war noch einmal eine ganz andere als bei meiner Wanderung am Tag. Die Heide wurde ruhiger, die Farben intensiver und mit jedem Meter veränderte sich das Licht. Wenn du die Möglichkeit hast, würde ich deshalb nicht nur tagsüber durch die Kalmthoutse Heide wandern, sondern unbedingt auch einmal zum Sonnenuntergang unterwegs sein.
Geführte Tour durch die Kalmthoutse Heide




Wenn du die Kalmthoutse Heide nicht nur erwandern, sondern auch mehr über ihre Pflanzen und die Landschaft erfahren möchtest, lohnt sich eine geführte Tour. Ich war gemeinsam mit Naturführerin Natalie Schrauwen von Elder Lab ↗ unterwegs und habe dabei eine ganz andere Seite der Heide kennengelernt.
Wir trafen uns zunächst vor meinem Hotel und machten uns anschließend gemeinsam auf den Weg in die Heide. Während der Wanderung zeigte Natalie uns verschiedene Pflanzen und erklärte, welche Kräuter und Wurzeln in der Landschaft zu finden sind. Wir sammelten einige davon für unser späteres Picknick ein.
Dadurch wurde die Wanderung zu viel mehr als einem Spaziergang durch die Heide. Plötzlich achtet man ganz anders auf die Pflanzen am Wegesrand und nimmt die Landschaft viel bewusster wahr. Statt einfach nur an der Heide vorbeizuwandern, erfährst du, was hier wächst und wie die Menschen die Pflanzen früher und heute nutzen können.
Und auch die Tiere kamen bei dieser Tour nicht zu kurz: Gemeinsam mit Natalie begegneten wir sogar den zotteligen Kühen, die in Teilen der Kalmthoutse Heide unterwegs sind. Bei meiner eigenen Wanderung hatte ich sie trotz frischer Spuren noch vergeblich gesucht. Umso schöner war es, sie bei der geführten Tour tatsächlich zu sehen.
Für mich war die Tour deshalb eine tolle Ergänzung zu meinen eigenen Wanderungen: Während ich die Heide auf eigene Faust vor allem fotografisch und landschaftlich entdeckt habe, konnte ich sie mit Natalie noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennenlernen.
Praktische Tipps für deinen Besuch

In der Kalmthoutse Heide gibt es zahlreiche ausgeschilderte Wanderwege in unterschiedlichen Längen. Du musst dich dabei aber nicht unbedingt an eine feste Route halten. Immer wieder zweigen kleinere Pfade von den breiteren Wegen ab und führen mitten durch die Heide. Gerade diese Möglichkeit, spontan einen anderen Weg einzuschlagen, hat mir bei meiner Wanderung besonders gut gefallen.
Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?
Die Kalmthoutse Heide lohnt sich zu jeder Jahreszeit, zeigt sich dabei aber immer wieder von einer ganz anderen Seite. Im Frühling sorgen frisches Grün und die ersten Blüten für Farbe, während die Landschaft im Sommer eher trocken und weit wirkt. Ein besonderer Zeitraum ist August und September, wenn die Heide blüht. Dann verwandeln sich große Teile der Landschaft in ein beeindruckendes lila Blütenmeer. Wenn du die Kalmthoutse Heide vor allem wegen der blühenden Heide besuchen möchtest, würde ich deshalb diese Zeit wählen. Im Herbst kommen warme Farbtöne und häufig mystische Nebelstimmungen dazu. Im Winter ist die Heide ziemlich ruhig und wirkt mit ihrer kargen Landschaft noch einmal ganz anders.
Aussichtspunkte in der Kalmthoutse Heide



Wenn du nicht nur durch die Heide wandern, sondern die Landschaft auch einmal von oben betrachten möchtest, solltest du einen der Aussichtspunkte einplanen. Besonders schön ist der Stappersven-Turm, von dem du auf das gleichnamige Gewässer und die umliegende Umgebung blickst. Auch der größere Aussichtsturm bietet einen weiten Blick über die Landschaft und macht deutlich, wie groß und abwechslungsreich das Naturgebiet tatsächlich ist. Auch der unübersehbare Brandtoren bietet einen Ausblick aus 24 Metern Höhe. Gerade nach einer Wanderung durch die teilweise sehr offene Landschaft ist es spannend, die Kalmthoutse Heide noch einmal aus der Vogelperspektive zu sehen.
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Die Kalmthoutse Heide lässt sich auch gut ohne Auto erreichen. Die Bahnhöfe Heide und Kalmthout eignen sich als Ausgangspunkte für Wanderungen und sind damit eine gute Möglichkeit, die Wanderung direkt mit einer nachhaltigen Anreise zu verbinden. Wenn du mit dem Zug anreist, kannst du deine Wanderung also direkt vom Bahnhof aus starten und bist nicht auf einen Parkplatz am Eingang des Naturgebiets angewiesen. Auch hier weise ich noch einmal auf die offizielle Website mit konkreten Anreisemöglichkeiten hin: Karte der Kalmthoutse Heide auf der offiziellen Website ↗.
Übernachtungstipp: Hotel Jerom

Wenn du mehr Zeit für die Kalmthoutse Heide einplanst, ist das Hotel Jerom ↗ eine gute Ausgangsbasis für deinen Aufenthalt. Ich würde dir sogar mindestens zwei Tage empfehlen. Absolut praktisch ist die Nähe zur Heide, sodass du deine Wanderung (oder Radtour) direkt von hier aus starten kannst. Auch das Frühstück war richtig gut: Neben frischen und hausgemachten Produkten kannst du dir hier sogar eine Lunchbox oder einen Picknickkorb für deine Wanderung zusammenstellen lassen.
Offenlegung: Dieser Blogbeitrag entstand in Zusammenarbeit mit VisitFlanders. Die hier vorgestellten Inhalte habe ich mir komplett selbst ausgesucht.
