Die Nockberge zählen zu den sanftesten Bergregionen der Alpen. Hier erwarten dich gerundete Gipfel statt schroffer Kalkspitzen. Wenn du mehrere Gipfel miteinander verbindest, kannst du jedoch ordentlich Höhenmeter sammeln. Hier stelle ich dir meine liebsten Wanderungen in diesem UNESCO-Biosphärenpark vor.
Warum in den Nockbergen wandern?

Die Nockberge erstrecken sich über drei Bundesländer: Kärnten, Steiermark und Salzburg. Wobei der größte Teil auf Kärnten entfällt. Seit 2012 ist die Region gemeinsam mit dem Salzburger Lungau als UNESCO Biosphärenpark ausgezeichnet, mit rund 1.500 Quadratkilometern der größte Österreichs.
Was die Nockberge so besonders macht, ist ihre Form: sanfte Bergriesen mit runden Kuppen, statt schroffer, steil abfallender Kalkspitzen. Wer manchmal Höhenangst verspürt, ist hier also gut aufgehoben. Ganz ohne Anstrengung geht es trotzdem nicht: Gute Kondition und Trittsicherheit solltest du mitbringen, denn in der Regel geht es auf und ab, vor allem wenn du mehrere Gipfel miteinander verbindest. Ein ähnliches Landschaftsbild findest du übrigens auch auf der Saualpe im Grenzgebiet Kärnten und Steiermark.
Hier stelle ich dir sechs meiner liebsten Wanderungen in den Nockbergen vor.
1. Peitlernock, Bärenaunock (optional Hohe Pressing)
Tourdaten: 13,6 Kilometer / 900 Höhenmeter / 5,5 Stunden / Rundweg





Diese Gipfeltour startet in Innerkrems und verläuft zunächst über die Nockalmstraße über den Nockalmhof (geöffnet Mai bis Oktober). Durch lichten Wald geht es zur idyllisch gelegenen Bärengrubenalm, danach in einem steilen Anstieg auf den Peitlernock (2.244 m). Am Grat entlang erreichst du den Bärenaunock (2.292 m). Wer noch nicht genug hat, hängt die Hohe Pressing (2.370 m) an. Über die Weißscharte und Schulteralm steigst du wieder bergab nach Innerkrems.
2. Hochpalfennock, Tschiernock und Tschierwegernock
Tourdaten: 12 Kilometer / 600 Höhenmeter / 5 Stunden / Rundweg




Von der Schwaigerhütte führt der Weg zunächst zur Millstätter Hütte und von dort hinauf zum Hochpalfennock (2.099 m), dem ersten von drei Gipfeln über 2.000 Metern Seehöhe. Auf dem Bergrücken genießt du die Aussicht auf den blauen, glitzernden Millstätter See tief unten im Tal. Auf dieser Höhe wanderst du weiter Richtung Tschiernock (2.088 m). Ab hier hast du die Wahl: entweder steigst du zur Sommeregger Alm ab, oder du setzt die Runde auf dem Höhenweg unterhalb der Gipfel Richtung Ausgangspunkt fort. Dabei steht noch ein Anstieg auf den Tschierwegernock (2.010 m) an. Beim Abstieg zur Alexanderhütte kommst du an der Panoramaschaukel vorbei.
Frühstückstipp: Bei der Alexanderhütte bekommst du zwischen Mai und Oktober ein Slow-Food-Frühstück serviert. Das Almfrühstücksbuffet solltest du unbedingt vorab reservieren.
3. Königstuhl und Rosaninsee
Tourdaten: 11,5 Kilometer / 770 Höhenmeter / 5 Stunden / Rundweg




Dieser Rundweg startet bei der Dr.-Josef-Merl-Hütte im Thomatal, auf Salzburger Seite des Biosphärenparks. Gleich zu Beginn kommst du an einer Wegkreuzung Richtung Wasser-Knappenweg. Von hier aus geht es Gipfel für Gipfel bergauf: über den Saureggnock (2.240 m) und zum Seenock (2.260 m), weiter über die Friesenhalshöhe mit Blick auf den gleichnamigen See, bis du schließlich den Königstuhl (2.330 m) erreichst – den höchsten Punkt der Tour und zugleich das Dreiländereck von Kärnten, Steiermark und Salzburg.
Vom Gipfel geht es über die Königstuhlscharte hinab zum Rosaninsee, vorbei an dessen auffälligen Mäandern im Rosanintal, die noch aus der Eiszeit stammen. Der Weg führt weiter zur Esselalm und von dort zurück zum Ausgangspunkt.
4. Weg der Liebe / Granattor
Tourdaten: 15 Kilometer / 500 Höhenmeter / 4,5 Stunden / Rundweg


Diese Runde ist die entspanntere Alternative zur Gipfeltour über Hochpalfennock und Tschiernock (siehe Punkt 1) – auch sie startet bei der Schwaigerhütte auf über 1.600 Metern, erreichbar über die mautpflichtige Straße. Statt über die Gipfel führt der Weg auf dem beliebten „Weg der Liebe“ zum Granattor.
Der Weg verläuft größtenteils am freien Bergrücken – Wald gibt es nicht, dafür aber Schatten so gut wie keinen. Los geht es an der „Wand der Liebe“ bei der Alexanderhütte, von dort führt der Themenweg über Stationen: An jeder wartet eine Bank zum Verweilen und ein kleines Lesetischchen mit Denkanstößen rund um Liebe und Partnerschaft. Zum Abschluss erreichst du das Granattor, einen markanten Felsdurchgang mit Granatgestein, der einen herrlichen Panoramablick über den Millstätter See bis zu den Hohen Tauern freigibt. Einkehren kannst du unterwegs bei mehreren Almhütten, etwa der Alexanderhütte oder der Millstätter Hütte.
5. Slow Trail Mirnock
Tourdaten: 3,1 Kilometer / 150 Höhenmeter / 1 Stunde / Hin und zurück



Der Mirnock gilt als Kraftberg – wanderst du den Slow Trail, führt dich der Weg allerdings nicht auf den Gipfel, sondern am Hang entlang. Start ist beim Gasthof Bergfried hoch über dem Millstätter See. Vorher lohnt sich ein kurzer Abstecher zur Aussichtsplattform „Sternenbalkon“. Der eigentliche Trail führt in Kehren steil bergauf, vorbei an einer Yogaplattform mit Seeblick, bis zum oberen Aussichtspunkt mit Holzliegen und Kneipp-Becken.
In der Region rund um den Millstätter See gibt es weitere Slow Trails.
6. Turracher Höhe: 3-Seen-Wanderung
Tourdaten: 7,5 Kilometer / 130 Höhenmeter / 2,5 Stunden / Rundweg / Tourenbeschreibung ↗


Ausgangspunkt ist das Schlosshotel Seewirt auf der Turracher Höhe. Der Weg führt dich durch den größten zusammenhängenden Zirbenwald Österreichs und über einen Holzsteg direkt durchs Hochmoor – im Sommer kannst du hier sogar barfuß gehen. Danach erreichst du den Schwarzsee (1.841 m), das klassische Fotomotiv der Turracher Höhe: Der Eisenhut, mit 2.441 Metern höchster Gipfel der Nockberge, spiegelt sich hier im Wasser. Weiter geht es durch dichten Zirbenwald zum zwölf Meter tiefen Grünsee (1.765 m), vorbei am Edelsteinmuseum „Mythos Edelstein Kranzelbinder“ zum Turracher See (1.763 m), dem größten der drei Seen mit Tretbootverleih und der Christophorus Bergkirche. Einkehren kannst du im Restaurant des Schlosshotels, im S’Hüttenplatzerl oder auf der Sonnalm.
Mehrtagestouren in den Nockbergen

Wenn dir ein Tag nicht reicht, bieten die Nockberge auch einige Weitwanderwege. Der Alpe-Adria-Trail führt auf sechs seiner insgesamt 43 Etappen durch die Region, bevor er weiter Richtung Slowenien und Friaul zieht. Rund um den Millstätter See bin ich die Via Paradiso gewandert, eine viertägige Rundtour, die den See von allen Seiten erschließt. Der Nockberge Trail verbindet auf rund 128 Kilometern in mehreren Etappen den Katschberg mit Seeboden am Millstätter See – vorbei an Zirbenwäldern und urigen Hütten wie der Alexanderhütte. Und wer besonders ambitioniert ist, findet im Abschnitt Bleiburg–Rennweg des Kärntner Grenzwegs elf Etappen, die dem Nockberge-Hauptkamm folgen.
Egal ob du dich für einen sanften Nachmittagsspaziergang oder eine mehrtägige Gipfeltour entscheidest: Die Nockberge zeigen dir, dass Bergwandern nicht immer schroff und ausgesetzt sein muss. Ich freue mich schon auf die nächste Tour über ihre grünen Rücken.

