La Gomera ist zum Wandern ein echtes Paradies. Die Kanareninsel überrascht mit einer vielseitigen Landschaft, die man auf so einer kleinen Insel kaum erwarten würde. Vom mystischen Lorbeerwald im Garajonay-Nationalpark bis zu spektakulären Küstenwegen. Hier wird es selbst nach der fünften Tour garantiert nicht langweilig. In diesem Beitrag zeige ich dir einige lohnenswerte Wanderungen, die ich selbst ausprobiert habe.
Wandern auf La Gomera

Während unserer Wanderungen auf der Insel La Gomera erlebten wir die wohl wildesten Seiten der Insel: schroffe Felsen und steilwandige Barrancos, terrassierte Hänge mit Palmen und Bananenplantagen, nebelverhangene Lorbeerwälder sowie raue Steilküsten mit schwarzen Stränden.
Auf der zweitkleinsten Kanareninsel La Gomera gibt es zahlreiche Wanderwege. Als Vorbildregion sind die Routen sehr gut beschildert und die Wege meist gut ausgebaut.
1. Playa de la Guancha (von San Sebastián)









Die Wegweiser mit der Aufschrift „El Cabrito“ zeigen uns die Richtung an. Vom Ort San Sebastián gehen wir direkt steil bergauf auf einem steinigen Pfad. So gewinnen wir schnell an Höhe und bekommen einen Blick auf die Stadt von oben geboten. Beim Cruz Machal macht sich eine kurze Pause belohnt. San Sebastián scheint zwar klein, verteilt sich aber über mehrere Ebenen und wirkt weitläufig. Unten in der Bucht legen Fähren und Kreuzfahrtschiffe an.
Der Wanderweg verläuft überwiegend auf breiten, gut ausgebauten Wegen und wechselt immer wieder mal auf steile steinige Pfade. Die oberhalb liegende Christus-Statue mit ausgebreiteten Armen könnten wir theoretisch über einen Umweg erreichen. Wir sparen uns das und gehen weiter auf dem sichtbaren Wanderweg am Hang entlang und in die Schlucht hinein.
Am Steilhang wandern wir anspruchsvoller als bisher, mit Ausblick auf das Ziel hinab. In Serpentinen schlängelt sich der Weg und es wird nach einiger Zeit flacher. Hier treffen wir auf mehrere Hütten oder Steinhäuser, die unbewohnt und vielleicht sogar als Notunterstand dienen. Hinter dem steinigen und einsamen Strand ragen die beeindruckenden Felsen des Risco de la Amargura.
Wir wandern noch ein Stück weiter und es öffnen sich Ausblicke auf weitere beeindruckende Berge. Hier tummeln sich zudem wilde Schafe und wilde Ziegen, wie wir hören und sehen. Zurück geht es denselben Weg. Diesmal wandern wir mit Blick auf den beeindruckenden Berg Teide drüben in Teneriffa.
Weiterwandern: Vom Strand könnte man die Wanderung noch fortsetzen und ins Landesinnere hinein und dann über den Berg „Risco de la Amargura“ bis nach El Cabrito wandern.
2. Alto de Garajonay (höchster Berg auf La Gomera)









Mehrere Wege führen auf den höchsten Berg von La Gomera. Wir gehen die Ruta 17, ein kurzer und aussichtsreicher Rundweg. Vom Parkplatz verlassen wir die Straße und steigen durch den offenen Wald auf. Bevor wir den Gipfel erreichen, machen wir einen kurzen Abstecher zu einem Aussichtspunkt, der mit 100 Metern Gehzeit ausgewiesen ist. Den Teide-Gipfel können wir wieder mal nicht übersehen. Schließlich erreichen wir auf 1.487 Metern Seehöhe den höchsten Punkt der Insel.
Am Gipfelplateau des Alto de Garajonay legen wir eine Rast ein und genießen die Rundumsicht. Die anderen Kanarischen Inseln El Hiero und La Palma sind aus dieser Höhe zu erblicken. Bei den Wolken schauen zumindest die Zacken der hohen Gebirge heraus.
Auf der anderen Seite führt unser Rundweg weiter. Bergab geht es auf breitem Forstweg mit Ausblicken auf den Tafelberg Fortaleza.
3. Nebelwald: Las Creces






Auch diese Wanderung verläuft durch den Nationalpark Garajonay. Diesmal aber durch den typischen Nebelwald der Insel La Gomera. Der kurze Rundweg „Ruta 5“ bietet uns einen faszinierenden Einblick in den moosigen Zauberwald. Für ein Stück verlassen wir den schattigen Wald und folgen dem Weg nach Las Hayas, wo wir an der Kirche Ermita de Las Hayas eine Rast einlegen. Dann wandern wir wieder zurück in die Richtung vom Ausgangspunkt.
4. Nebelwald: Cañada de Jorge




Wir wandern die offizielle Wanderung Ruta 10 Cañada de Jorge, einen kurzen Rundweg durch dichten Lorbeerwald. Wir verlassen die Straße und wechseln auf den moosigen Wanderpfad, dem wir abwechslungsreich folgen.
5. Monte El Cepo



Eine kurze Wanderung mit einem knackigen Aufstieg liegt auf der GM-2 Straße zwischen Hermigua und Vallehermoso. Wir planten diese Tour auf der Weiterfahrt zur nächsten Unterkunft ein.
Der Monte El Cepo liegt genau auf unserer Route. Zunächst wandern wir einen steinigen, steilen Bergpfad mit panoramareicher Aussicht immer weiter hinauf. Erst nach einiger Zeit erreichen wir eine ganz besondere Landschaft: Die rotgefärbte Erde am Gipfelplateau ist auch an anderen Stellen auf La Gomera zu finden. Hier finden wir zudem Altholz, Baumstämme mit knorrigen Ästen. Der exakt selbe Weg führt uns wieder zum Parkplatz an der GM-1.
6. Stausee La Encantadora (von Vallehermoso)












Auf dieser aussichtsreichen Wanderung, die direkt im Zentrum von Vallehermoso startet, lassen die ersten Höhenmeter nicht lange auf sich warten. Wir folgen dem Wegweiser in Richtung „Presa de la Encantadora“ und passieren zunächst einige Häuser. Anschließend führt uns ein steiniger, teils lehmiger Pfad stetig bergauf. Zu unserer Linken erhebt sich dabei der mächtige Roque Cano, das markante Wahrzeichen der Region.
Der Stausee zeigt sich erst von einer Anhöhe aus, die wir über einen kurzen Abstecher nach rechts erreichen. Von dort steigen wir steil hinunter zu dem großen Gewässer mit seiner beeindruckenden Staumauer.
Da das Wetter an diesem Tag sehr unbeständig ist und der Weg entsprechend feucht, passen wir unsere Route an. Anstatt den Rundweg weiter in Richtung El Tión und zum Roque Cano fortzusetzen, gehen wir über die Straße direkt zurück nach Vallehermoso.
7. Barranco de Guarimiar (von Imada)










Wir wollen diesmal im Süden von La Gomera wandern und starten die anspruchsvolle Tour in Imada, unweit von Alajeró. Anstatt gleich steil aufzusteigen, geht es zunächst eine Zeit lang bergab. Durch grüne Vegetation, Terrassenlandschaften und Palmen, stets mit Blick in die umliegende Schlucht, stimmen wir uns schnell auf die Wanderung ein. Absolut spektakulär ist der Pfad entlang der steil abfallenden Felswand: Er ist deutlich breiter, als er aus der Ferne wirkt, und durch ein Geländer mit Seilen gut gesichert.
Am tiefsten Punkt in Guarimiar angekommen, gäbe es die Möglichkeit, noch bis hinunter zum Strand abzusteigen. Für uns beginnt hier jedoch der anstrengendste Teil der Tour – es heißt, zahlreiche Höhenmeter zu überwinden. Auf einem zunächst breiten, später deutlich schmaleren Pfad steigen wir durch den Barranco hinauf bis nach Targa. Dort erreichen wir wieder die Zivilisation, wandern durch den schönen Ort Alajeró mit Blick auf den Calvario Berg und wechseln anschließend auf einen weniger anspruchsvollen Weg, der uns schließlich zurück zu unserem Ausgangspunkt in Imada führt.
8. Naturreservat Puntallana (bei San Sebastián)








Die Tour zur Kapelle Ermita de Nuestra Señora de Guadalupe und zur Playa del Águila fühlt sich eher wie ein ausgedehnter Spaziergang an. Auch wenn dabei einige Höhenmeter zu bewältigen sind. Über eine schottrige Straße unterhalb einer schroff abfallenden Felswand geht es in zahlreichen Kehren bergab, stets mit Blick auf unser Ziel. Unten angekommen erwarten uns die Kapelle und der Strand, von wo aus sich erneut ein beeindruckender Blick auf den Teide eröffnet. Das gesamte Gebiet steht unter dem Naturschutz Puntallana, daher ist es besonders wichtig, auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben.
Noch vor der Kapelle zweigt ein Weg hinunter zum Meer und zu einem kleinen Steg ab. Hinter der Wallfahrtskapelle führt der Weg weiter zu einem abgelegenen Strandabschnitt. Für den Rückweg nehmen wir dieselbe Route wieder hinauf zum Ausgangspunkt.
9. Richtung Cuevas Blancas (von San Sebastián)






Von San Sebastián aus lässt sich wunderbar in mehrere Richtungen loswandern. Diesmal führt uns der Weg zunächst durch die Oberstadt, vorbei an den Windkrafträdern und direkt hinauf in die Bergwelt. Mit Blick auf den Teide, das Meer und die beeindruckende Landschaft der Barrancos wandern wir auf breiten, gut ausgebauten Wegen entlang eines steilen Hangs. Oberhalb und unterhalb des Weges entdecken wir große und kleine Felsöffnungen, teils wie Höhlen in den Fels gegraben. Immer wieder begegnen uns außerdem frei lebende Ziegen und Schafe.
An einer Weggabelung hätten wir die Möglichkeit, auf gleicher Höhe weiter in Richtung der Cuevas Blancas zu wandern, um die weißen Höhlen zu sehen – oder alternativ einem Abschnitt des GR 132 zu folgen und Richtung Hermigua weiterzugehen.
Wir gehen auf demselben Weg zurück und steigen nach San Sebastián ab.
Weitwandern auf La Gomera

Zwei Weitwanderwege durchziehen die Landschaft von La Gomera: Der GR 132 umrundet die Insel, während der GR 131 quer durch ihr Inneres verläuft. Wer auf La Gomera wandert, ist daher sehr wahrscheinlich öfter mal auf einzelnen Abschnitten dieser Routen unterwegs. Auf den Wandertafeln sind die offiziellen Wege entsprechend ausgewiesen.
Buchempfehlungen: Diese beiden Wander- bzw. Reiseführer hatten wir in unserem Gepäck dabei und boten uns Inspiration für unsere erlebnisreichen Wanderungen.

Anreise zu den Wanderungen

Wir waren mit dem Mietwagen unterwegs und haben die meisten Ausgangspunkte bequem mit dem Auto erreicht.
Zwar war der Wille da, auch öffentliche Busse zu nutzen, in der Praxis erwies sich das jedoch als sehr unpraktisch. Zwischen den Städten und Orten verkehren zwar Buslinien, der Takt ist jedoch äußerst eingeschränkt. Teilweise fährt der erste Bus ab 10:30 Uhr los. Die Haltestellen sind zudem ohne ausgewiesene Abfahrtszeiten, sodass unklar bleibt, wann der Bus tatsächlich anhält. Zusätzlich kommt hinzu, dass Busse nicht anhalten, wenn sie bereits voll besetzt sind.
Fazit zum Wandern auf La Gomera

Mir hat die zweitkleinste Kanareninsel La Gomera sehr gut gefallen. Zwei Wochen lang waren wir so oft wie möglich wandern, immer abhängig vom Wetter.
Die hier vorgestellten Touren zählen zu meinen neun Lieblingswanderungen, die ich weiterempfehle. Insgesamt habe ich die Aufstiege als deutlich anspruchsvoller empfunden als in den Alpen: Dort, wo wir auf La Gomera rund 700 Höhenmeter bewältigt haben, wären es in Österreich vermutlich eher 1.200 Höhenmeter gewesen.
Wer nicht zum Wandern auf die Insel kommt, dem wird nach wenigen Tagen sicher fad. Zwar gibt es einige Aussichtspunkte, die bequem mit dem Auto erreichbar sind, doch La Gomera lädt vor allem dazu ein, aktiv erkundet zu werden. Ein klassicher Wanderurlaub eben. Die Wanderwege sind oft steil, dafür aber hervorragend ausgebaut. Mehr als einmal habe ich gestaunt, wie aufwendig die Wege in teils extremen Lagen händisch gepflastert wurden – das ist wirklich beeindruckend.


