Hier findest du acht Wanderungen im Nationalpark Hohe Tauern, bei denen beeindruckende Natur, abwechslungsreiche Landschaften und schöne Ausblicke im Vordergrund stehen.
Warum sich das Wandern in den Hohen Tauern lohnt
Der Nationalpark Hohe Tauern ist das größte Schutzgebiet der Alpen und erstreckt sich über die Bundesländer Salzburger Land, Tirol und Kärnten. Mit seinen mächtigen Dreitausendern, tief eingeschnittenen Tälern, Wasserfällen und glasklaren Bergseen gehört er zu den beeindruckendsten Wanderregionen Österreichs. Während viele Besucher den Nationalpark vor allem mit dem Großglockner oder der Großglockner Hochalpenstraße verbinden, gibt es abseits der bekannten Highlights unzählige abwechslungsreiche Wanderungen zu entdecken.
In diesem Artikel stelle ich dir acht leichte bis mittelschwere Wanderungen im Nationalpark Hohe Tauern vor. Im Mittelpunkt stehen Touren, bei denen Naturgenuss und beeindruckende Ausblicke wichtiger sind als möglichst viele Höhenmeter.
1. Ötzlsee in Hüttschlag




Der Ötzlsee im Großarltal gehört zu den einfachsten Touren im Nationalpark Hohe Tauern und eignet sich perfekt, wenn du einen entspannten Spaziergang mit schöner Natur verbinden möchtest. Statt vieler Höhenmeter erwarten dich das Rauschen der Großarler Ache, grüne Almwiesen und ein idyllischer Bergsee. Besonders schön: Der Ausgangspunkt ist bequem mit dem Bus erreichbar.
Los geht es am großen Parkplatz im Talschluss von Hüttschlag. Direkt daneben befinden sich eine Bushaltestelle, das Nationalpark-Informationszentrum, mehrere Schautafeln sowie das Talmuseum Hüttschlag. Von hier folgst du der breiten Forststraße in Richtung Süden entlang der Großarler Ache.
Schon nach wenigen Minuten erreichst du die Abzweigung zum Kree-Alm-Wasserfall. Wenn du etwas mehr Abenteuer suchst, kannst du hier den schmalen und teilweise steilen Wandersteig hinauf zum Wasserfall oder sogar weiter zur Kree Alm und zum Murtörl nehmen. Für den Ötzlsee bleibst du jedoch auf der gemütlichen Forststraße.
Unterwegs wanderst du an Weiden mit Kühen und Pferden sowie einem Wildgehege vorbei. Kurz vor dem Ziel überquerst du die Großarler Ache. Direkt neben der Brücke lädt ein schöner Rastplatz am glasklaren Wasser zu einer Pause ein. Wenige Meter später erreichst du ein Kneippbecken und schließlich den kleinen Ötzlsee.
Wer noch etwas weiterwandern möchte, kann die Tour bis zum Schödersee verlängern. Im Talschluss von Hüttschlag gibt es außerdem zahlreiche weitere Wanderungen für jeden Anspruch.
2. Hacklsee über die Schaunbergalm



Das Mühlbachtal bei Niedernsill gehört zu den ruhigeren Ecken des Nationalparks Hohe Tauern und ist noch immer ein echter Geheimtipp. Schon der Weg zur Schaunbergalm bietet herrliche Ausblicke auf Gipfel wie die Scheibenhöhe (2.126 m) und die Hohe Arche (2.453 m). Unterwegs kannst du entweder gemütlich der Forststraße folgen oder immer wieder auf den parallel verlaufenden Wanderweg wechseln.
Eine Einkehr auf der Schaunbergalm solltest du dir nicht entgehen lassen. Neben regionalen Schmankerln lohnt sich auch ein Blick in die urige Gaststube. Von hier beginnt der eigentliche Aufstieg zum Hacklsee.
Der Bergsee liegt auf rund 2.200 Metern Seehöhe und ist ausschließlich zu Fuß erreichbar. Der Steig führt in etwa eineinhalb Stunden durch eine beeindruckende Hochgebirgslandschaft bergauf. Immer wieder öffnen sich Ausblicke auf Wasserfälle und die umliegenden Gipfel, bevor schließlich der idyllisch gelegene Hacklsee erreicht wird. Das glasklare Wasser und die ruhige Lage machen ihn zu einem perfekten Platz für eine ausgedehnte Pause.Zur Schaunbergalm gelangst du entweder mit dem Wandertaxi, mit dem Fahrrad oder E-Bike oder zu Fuß direkt von Niedernsill. Letztere Variante ist mit rund 1.500 Höhenmetern allerdings deutlich anspruchsvoller.
3. Jagdhausalm im Deferegental


Die Wanderung zur Jagdhausalm gehört für mich zu den eindrucksvollsten Touren im Nationalpark Hohe Tauern. Die Landschaft wirkt wild, ursprünglich und fast ein wenig wie aus einer anderen Welt. Nicht umsonst trägt die Gegend rund um die Jagdhausalm den Beinamen „Klein-Tibet“.
Schon zu Beginn begleitet dich die kristallklare Schwarzach durch das Tal. Die mächtigen Berge, weiten Almflächen und das rauschende Wasser vermitteln sofort das Gefühl, weit weg von allem unterwegs zu sein.
Bis kurz vor der Jagdhausalm verläuft die Wanderung auf einer breiten Forststraße und ist dadurch angenehm zu gehen. Für den Rückweg bietet sich der schmale Wanderpfad auf der gegenüberliegenden Seite der Schwarzach an. So entsteht eine abwechslungsreiche Rundtour und du musst keinen Abschnitt doppelt gehen.
4. Almenrunde in Sportgastein




Sportgastein gehört zu den Orten, an denen du ohne große Anstrengung echtes Hochgebirgsgefühl erleben kannst. Die Almenrunde verläuft auf einem weitläufigen Talboden und bietet fantastische Ausblicke auf die umliegenden Dreitausender.
Der gut ausgebaute Wanderweg führt nahezu ohne nennenswerte Steigungen durch die offene Hochgebirgslandschaft. Dadurch eignet sich die Tour auch hervorragend für gemütliche Wandertage oder als Familienwanderung.
Immer wieder schweift der Blick über saftige Almwiesen, kleine Bäche und die imposanten Gipfel der Hohen Tauern. Trotz der leichten Wegführung fühlst du dich mitten im Hochgebirge.
Mehrere Einkehrmöglichkeiten entlang der Strecke laden dazu ein, regionale Spezialitäten zu genießen und die Aussicht noch etwas länger auszukosten.
5. Malteiner Wasserspiele




Die Malteiner Wasserspiele gehören zu den abwechslungsreichsten Wasserfallwanderungen Kärntens. Hier ist nicht nur das Ziel beeindruckend – der gesamte Weg führt durch eine spektakuläre Schluchtenlandschaft mit tosenden Wasserfällen, glasklaren Bächen und zahlreichen Aussichtspunkten.
Ausgangspunkt ist die Falleralm direkt an der Malta Hochalmstraße. Von hier folgt der Naturlehrweg der Malta flussaufwärts. Unterwegs wechselst du immer wieder zwischen schattigen Waldabschnitten, Holzstegen und Aussichtskanzeln, die neue Perspektiven auf die Wasserfälle eröffnen.
Besonders beeindruckend sind die tief eingeschnittenen Schluchten und die türkisfarbenen Wasserbecken, die entlang des Weges entstehen. Ziel der Wanderung ist der Blaue Tumpf in der Schönau, dessen intensiv gefärbtes Wasser einen schönen Abschluss der Tour bildet.
Wenn du lieber eine kürzere Runde gehen möchtest, kannst du auch nur bis zum Melnikfall wandern. Bereits auf diesem Abschnitt erwarten dich einige der schönsten Aussichtspunkte der gesamten Strecke.
6. Ködnitztal bis zur Lucknerhütte




Kaum eine Wanderung bietet einen so eindrucksvollen Blick auf den Großglockner wie die Tour durchs Ködnitztal zur Lucknerhütte. Sie verbindet eine gemütliche Wegführung mit beeindruckender Hochgebirgskulisse und eignet sich hervorragend für alle, die den höchsten Berg Österreichs aus nächster Nähe erleben möchten.
Vom Lucknerhaus folgst du dem gut angelegten Wanderweg hinein ins Ködnitztal. Der kristallklare Ködnitzbach begleitet dich fast während der gesamten Wanderung und sorgt zusammen mit den umliegenden Bergen für eine besonders schöne Atmosphäre.
Schon nach kurzer Zeit eröffnet sich immer wieder der Blick auf den Großglockner und seine umliegenden Gipfel. Schließlich erreichst du die Lucknerhütte, die sich hervorragend für eine Einkehr eignet. Von der Sonnenterrasse genießt du eines der bekanntesten Bergpanoramen Österreichs.
Wer noch ausreichend Kondition hat, kann von hier weiter in Richtung Stüdlhütte aufsteigen. Bereits die Wanderung bis zur Lucknerhütte zählt jedoch zu den schönsten leichten bis mittelschweren Touren im Nationalpark Hohe Tauern.
7. Rauriser Urwald




Der Rauriser Urwald im Hüttwinkltal ist eine völlig andere Art, den Nationalpark Hohe Tauern zu erleben. Statt weiter Hochgebirgslandschaften und markanter Gipfel wanderst du hier durch eine ursprüngliche Waldlandschaft mit alten Zirben und Fichten, moosbedeckten Bäumen und zahlreichen kleinen Gewässern.
Besonders faszinierend sind die vielen Tümpel, die zwischen den alten Bäumen liegen und dem Wald eine fast mystische Atmosphäre verleihen. Rund 70 dieser kleinen Gewässer prägen das Gebiet und sorgen dafür, dass es hinter jeder Wegbiegung etwas Neues zu entdecken gibt.
Ein rund drei Kilometer langer Rundweg führt durch den Rauriser Urwald. Mit etwa 150 Höhenmetern ist die Wanderung vergleichsweise kurz und auch für einen entspannten Wandertag geeignet. Gerade das macht sie zu einer schönen Ergänzung zu längeren Touren im Raurisertal.
Was mir besonders gefallen hat: Der Rauriser Urwald zeigt eine Seite des Nationalparks, die man zwischen Dreitausendern und spektakulären Gipfeln leicht übersieht. Hier geht es nicht darum, möglichst schnell ein Ziel zu erreichen, sondern langsam durch die Landschaft zu gehen und die vielen kleinen Details wahrzunehmen.
Der Urwald liegt im Talschluss von Kolm Saigurn und lässt sich auch gut mit weiteren Wanderungen in diesem Gebiet verbinden.
8. Krumltal – Wandern im Tal der Geier








Das Krumltal im Raurisertal ist eines der außergewöhnlichsten Seitentäler im Nationalpark Hohe Tauern. Es trägt den Beinamen „Tal der Geier“ – und mit etwas Glück kannst du hier tatsächlich Bartgeier, Gänsegeier oder Steinadler beobachten.
Die Wanderung führt auf einem breiten Weg entlang des Krumlbachs hinein ins Tal. Immer wieder kommst du an Wasserfällen vorbei, während sich über dir die steilen Felswände erheben. Gerade weil der Weg technisch nicht besonders schwierig ist, bleibt viel Zeit, immer wieder nach oben zu schauen.
Das Krumltal spielte eine wichtige Rolle bei der Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen. Bereits 1986 wurde das Tal für das Wiederansiedlungsprojekt ausgewählt. Heute gehören die majestätischen Vögel zu den besonderen Naturerlebnissen, die du mit etwas Glück während der Wanderung beobachten kannst.
Ziel der Tour ist die Bräualm auf knapp 1.600 Metern. Hier gibt es nicht nur eine schöne Panoramaterrasse, sondern auch ein Aussichtsfernrohr, mit dem du die umliegenden Felswände und den Himmel nach Greifvögeln absuchen kannst.
Mein persönlicher Tipp: Plane auf der Bräualm unbedingt eine Pause ein. Die Kaspressknödelsuppe war für mich die ideale Stärkung.
Das Krumltal ist für mich ein besonders schönes Beispiel dafür, wie vielfältig der Nationalpark Hohe Tauern ist. Hier verbindest du eine entspannte Talwanderung mit der Chance auf ein echtes Naturerlebnis, das man nicht jeden Tag hat.
Wanderurlaub im Nationalpark
Ob gemütliche Talwanderung, aussichtsreiche Almrunde oder Bergsee auf über 2.000 Metern – der Nationalpark Hohe Tauern bietet eine beeindruckende Vielfalt an Wanderungen. Besonders gefallen mir die unterschiedlichen Landschaften der einzelnen Täler. Keine Tour gleicht der anderen und selbst nach vielen Besuchen entdecke ich immer wieder neue Lieblingsorte.
Die sechs vorgestellten Wanderungen eignen sich vor allem für alle, die die Schönheit der Hohen Tauern ohne extreme Gipfelbesteigungen erleben möchten. Sie verbinden abwechslungsreiche Wege mit großartigen Ausblicken, urigen Hütten und eindrucksvollen Naturerlebnissen. Gleichzeitig zeigen sie, wie unterschiedlich der Nationalpark in Salzburg, Tirol und Kärnten sein kann.
Wenn du genügend Zeit mitbringst, lohnt es sich, mehrere Seitentäler miteinander zu kombinieren. So bekommst du einen besonders abwechslungsreichen Eindruck vom größten Nationalpark Österreichs und entdeckst vielleicht schon deine nächste Lieblingstour.
