access_time 31. März 2019 place Antigua, Guatemala local_offer ,

Der Acatenango: Bist du bereit diesen Vulkan zu besteigen?

Janine   Der Acatenango ist der dritthöchste und herausforderndste Vulkan in Zentralamerika. Wer den Vulkan von Antigua Guatemala besteigen will, der muss Vorkehrungen treffen. Während der stets steilen Wanderung durchläuft man verschiedene mentale Phasen und Erdoberflächen. Der Aufstieg ist die eine Herausforderung – die Nacht zu überstehen die andere. Und am nächsten Morgen geht es wieder steil bergab. Bist du bereit, die Wanderung aufzunehmen?

Wir sind seit Februar 2019 auf Weltreise. Hier findest du einen Überblick über alle Weltreise-Artikel.

Ein paar Fakten zum Acatenango vorweg

Der Acatenango ist 3.976 Meter hoch und der dritthöchste Vulkan in Guatemala – und auch von ganz Zentralamerika. Die letzte Eruption war im Jahr 1972.

Das Beste an der Vulkanbesteigung ist der Ausblick auf den nur wenige Kilometer entfernten Vulkan Fuego. Dieser ist das eigentliche Highlight, weil er regelmäßig Lava spuckt. Besonders im Dunklen ist dies schön anzuschauen.

Theoretisch kann man den Vulkan auch ohne Guide besteigen. Die Eintrittsgebühr von 50 Quetzales (rund 5,80 Euro) ist jedoch trotzdem zu zahlen.

Wir empfehlen eine Tour zu buchen, die bereits einen festen Zeltplatz stellt. So müssen Zelt und Schlafsack nicht erst hoch getragen werden.

Ausrüstung und Ausstattung

Leider ist die nachfolgende Liste weder kurz noch das zu tragende Gewicht leicht. Die Packliste resultiert aus Empfehlungen und unserer Erfahrung.

Empfohlen werden mindestens 4 Liter Wasser pro Person. Das entspricht 1,5 Liter für den Aufstieg, 1 Liter für das Kochen des Abendessens und 1,5 Liter für den Abstieg.

Auch wenn bei der geführten Tour bereits Frühstück, Mittag und Abendessen dabei sind, kann es nicht schaden, ein paar Müsliriegel als Reserve dabei zu haben. Außerdem muss das vorher ausgehändigte Lunch-Paket – das es übrigens auch in vegetarisch gibt – von jedem selbst hoch getragen werden.

Klamottentechnisch sollte sehr viel eingepackt werden. Die Nächte ganz oben sind sehr, sehr kühl und windig. Das heißt, eine Daunenjacke, Handschuhe und Mütze sollten ins Gepäck. Idealerweise sind im Tagesrucksack auch Wechselklamotten, die man nach dem schwitzigen Aufstieg anziehen, und für die Abstiegswanderung anlassen kann.

Wer solche Winterkleidung nicht dabei hat, sollte sie unbedingt bei der Tour günstig ausleihen. Ohne taugliche Kleidung geht man in der Nacht ein. Wir haben für drei Teile 20 Quetzales (rund 2,30 Euro) bezahlt.

Was gehört ansonsten ins Gepäck? Eine Stirntaschenlampe, wenn man in der Dunkelheit auf Toilette muss. Auch für den weiteren Anstieg zum Sonnenaufgang benötigt man die Stirntaschenlampe, da es zu der Uhrzeit noch stockdunkel ist.

Sonstige Helferli sind eine Sonnenbrille und ein Halstuch. Diese Accessoires helfen dabei, die Asche und Staub vom Mund, der Nase und den Augen fernzuhalten. Die Asche bekommt man nämlich ziemlich häufig beim Aufstieg und Abstieg ins Gesicht geweht. Und trotzdem dringt die Asche in alle Körperöffnungen vor.

Fasst man dies alles zusammen und fügt seine Kameraausstattung hinzu, so kommt man sicherlich auf 6 bis 8 Kilo Gepäck, das den steilen Weg hoch getragen werden muss. Die Schwere des Gepäcks ist jedoch bei weitem nicht die höchste Herausforderung.

Und so lief unser Wandertag ab

Los geht’s

Morgens um 8 Uhr gab es bei Tourbeginn ein Frühstück mit den anderen wanderfreudigen Leuten. Yeah, Pancakes.

Dann folgte die einstündige Fahrt von Antigua zum Ausgangspunkt zum Acatenango. Dort erklärt einer der Guides auf Spanisch, was uns nun bevorsteht. Aufgrund unserer Gruppengröße von rund 24 Leuten, wurden uns drei Guides an sie Hand gegeben. Da es – hoffentlich – in jeder Gruppe jemanden gibt, der Spanisch spricht, übersetzt er oder sie ins Englische.

Der Großteil lieh sich für 10 Quetzales (rund 1 Euro) einen Wanderstock aus.

Und dann ging es auch schon los. Ein leichter Anstieg führte trotzdem dazu, dass wir schon nach 15 Minuten die erste Pause einlegten. Wir müssen uns erst an das anspruchsvolle Wandern gewöhnen.

Der härteste bevorstehende Teil wurde angekündigt. 30 Minuten sollte es steil bergauf durch eine Geröllgasse gehen. Ein Schritt vor und zwei oder drei wieder zurück. Der Gegenverkehr – die Wandergruppe, die gerade hinab marschierte – kam uns entgegen und machte das Aufwirbeln des Staubes nicht besser.

Danach stand auch schon wieder eine kurze Pause an.

So ging es den Tag über weiter und weiter. Circa alle halbe Stunde wurde eine Pause eingelegt. Diese war aber auch nötig, um sich von dem steilen Anstieg zu erholen.

Wir Langsamen nahmen uns die Zeit, die wir brauchten. Die Schnellen hatten eine längere Pause. Ob sie nun wollten oder nicht.

Die Tourguides verteilten sich über die ganze Gruppe. Niemand durfte den vordersten Tourguide überholen und niemand nach dem letzten Tourguide gehen.

Während der ungefähren 8 Kilometer aufwärts durchlief man mentale Höhen und Tiefen. So überlegte ich mir verschiedene Szenarien, was passieren würde, wenn ich jetzt aufgäbe. Wenn ich einfach keine Luft mehr hätte, um weiter nach oben zu kommen. Gefühlt machte ich eine Minute Pause, um dann gerade mal 20 Meter weiter aufwärts zu „klettern“. Wie schaffen die Leute das, die ganz vorne sind? Es waren sogar ein paar Leute in Sneakern dabei. What the heck?!

Eine der Herausforderungen war sicherlich auch die, dass die Luft immer dünner wurde. Es wurde schwieriger gleichmäßig zu atmen.

Irgendwann kam ganz unerwartet die Info, dass es nur noch zehn Minuten bis zum Base Camp sei. Die letzte Etappe war überwiegend flach. Gleichzeitig wollte man aber nicht in die Tiefe schauen. Diese war nun ganz deutlich zu sehen und zu spüren.

Etwa fünf Stunden wanderten wir überwiegend steil aufwärts.

Vulkan Fuego

Die Belohnung nach der anstrengenden Wanderung

Fuego spuckt Lava

Da spuckte der Fuego etwas Lava

Das Camp auf dem Acatenango

Wie sehr freuten wir uns alle auf das Camp.

Alles stand bereit. Drei Zelte warteten auf uns. In den Zelten standen Feldbetten und lagen Schlafsäcke.

Die Aussicht vom Camp auf den Fuego Vulkan war atemberaubend schön. Der Vulkan wirkte so nah, so konnte man die Konturen des Vulkans gut erkennen. Zu unserer Begrüßung spuckte er gleich etwas Lava und dunklen Rauch aus.

Zu dem Zeltplatz gehörte ein Lagerfeuer, an dem man sich aufwärmen konnte. So war es doch in den letzten zwei Stunden kühler geworden.

Unsere drei Guides, fragten uns, ob wir zuerst Suppe oder Pasta essen wollten. Und wo wir speisen wollten. Alle waren sich einig: Im Zelt. Denn es war draußen bitterkalt und der Platz um das Lagerfeuer herum reichte nicht für die ganze Gruppe.

Im Dunkeln sah man richtig, wie der Fuego die glühende Lava ausspuckte. Dabei gab der Vulkan ein lautes, brodelndes Geräusch von sich. Wir alle nur so: WOW.

Camp auf dem Acatenango

Unser Camp auf dem Acatenango

Acatenango warmes Lagerfeuer

Unsere Gruppe freute sich sehr

Acatenango warmes Lagerfeuer

Am warmen Lagerfeuer

Die kühle, stürmische Nacht auf dem Acatenango

Wirklich alle waren froh, sich endlich ins Bett legen zu können. Es war 19 Uhr und die Guides brachten noch Rotwein und heiße Schokolade vorbei.
Dazu gab es noch dickere Wolldecken. Die waren aber auch nötig, um gegen das Frösteln anzukämpfen. Wir zogen so viel an, dass wir nicht frieren mussten.

Frieren war die eine Sache; das laute Pfeifen und Zischen des Windes die andere.

Der Wind war so laut, dass man bei dem Geräusch unmöglich schlafen konnte. So flatterten die Zeltwände in alle Richtungen. Gleichzeitig machte sich die Angst breit, dass das Zelt samt uns wegfliegen könnte. Hinunter in die Tiefe. Was für eine beängstigende Vorstellung. Weiter ging es mit dem Versuch einzuschlafen. Können Schäfchen eigentlich auch über Zelte hüpfen?

Ich kämpfte gegen die Kälte und gegen die Angst. Beides brachte mich enorm zum Zittern.

In der Nacht beobachtete ich die Taschenlampen um uns herum. Es schien, dass die Guides die Seile und Haken des Zeltes wieder fester machten. Das bestätigte meine Vermutung, dass der Wind ungewöhnlich heftig war.

Gegen Mitternacht kamen die Guides erneut ins Zelt und verteilten die zweite Ladung Decken.

Eine normale Nacht war dies anscheinend nicht – auch nicht für die Guides.

Wetter Acatenango

Das Wetter zeigt sich von seiner tückischen Seite

Der nächste Morgen

Um vier Uhr kam einer der Guides ins Zelt, um über den Sonnenaufgang zu informieren. Aufgrund des schlechten Wetters empfahl er, sich die letzten Meter bis zum Gipfel zu sparen. Den Sonnenaufgang würde man an dem Tag wohl nicht sehen. Alles ist komplett nebelig. Trotz der Warnungen kletterten ein paar aus der Gruppe erfolglos nach oben.

Um 6:30 Uhr gab es Frühstück: Kaffee, Bananenbrot und Haferflocken in heißer Milch. Genug Energie für Weiteres. Wir packten unsere Sachen; der Abstieg stand bevor.

Acatenango Zelte

Zum Glück standen unsere Zelte am nächsten Morgen

Acatenango Frühstück

Auch das Frühstück wurde im Lagerfeuer zubereitet

Der Abstieg

Während wir für den Aufstieg etwa fünf Stunden benötigten und etliche Pausen einlegten, dauerte der Abstieg gerade mal zwei Stunden. Auf dem Rückweg konnten wir die Abhänge beinahe herunterrutschen – nur eben mit Schuhen. Das Lava-Geröll machte den Abstieg deutlich einfacher. Der Wanderstock unterstütze dabei.

Offensichtlich wollte jeder nur schnell nach Hause, eine heiße Dusche nehmen.

An dem Ort, an dem wir unsere erste Pause eingelegt hatten, machten wir auch beim Abstieg wieder eine. Die Guides bedankten sich bei der tollen Gruppe und alle klatschten über unseren Erfolg, die mordsmäßige Wanderung auf den Acatenango Vulkan erfolgreich überstanden zu haben.

Abstieg Acatenango

Der nebelige Abstieg

Mein Fazit zur Acatenango-Besteigung

Einen so anstrengenden Vulkan zu besteigen ist schon ein einmaliges Erlebnis. Ich kann es nur empfehlen, diese herausfordernde Wanderung anzunehmen. Der Ausblick auf den Fuego ist die große Belohnung und entschädigt das Leiden, das man vorher verspürte.

Es gibt sicherlich wenige Plätze auf dieser Erde, die so ein nahes, abenteuerliches Vulkanerlebnis aus sicherer Distanz mit maximalen Ausblick ermöglichen.

Tage später konnte ich mich kaum noch vor Muskelkater bewegen, aber wenn ich die Fotos sehe, freue ich mich sehr, dass wir diese Vulkan-Tour gemacht haben.

Und du?

Hast du schon mal einen so anstrengenden Vulkan oder Berg bestiegen? Oder bereitest du dich gerade darauf vor?

Erzähle uns davon und nutze die Kommentarbox hier drunter!

Vorheriger Artikel 10 interessante Fakten über den Atitlán See
Nächster Artikel Weltreise: Die alte Hauptstadt Antigua

Diesen Artikel teilen

Kommentare

Anke

Hey Janine,
Der Trip hört sich toll an, mit welchem Veranstalter hast du die Tour gemacht?

Viele Grüße,
Anke

    Janine

    Hallo Anke,

    wir haben die Tour bei dem Tropicana Hostel gebucht. Ich würde sie immer wieder da buchen und kann es daher nur empfehlen.

    LG, Janine

Manu

Es freut mich sehr, dass ihr die Tour angegangen seid. Eines ist sicherlich neben all der Vulkam-Euphorie nicht zu vernachlässigen, die Auswahl des tour operator. Dass es da oben - je nach Reisezeit - Temperaturen um den Gefrierpunkt gibt, ist kein Geheimnis. Ein Touranbieter sollte das wissen und entsprechend vorher vorbereitet sein. Dass mitten in der Nacht nachträglich Decken gebracht werden, finde ich ein Unding, denn die Guides kennen die Begebeneheiten bestens und sind bestens über das Wetter informiert. Bei meiner Besteigung hatte es nachts unter 0 Grad und wir haben im Zelt nicht gefroren, da entsprechend Decken, Schlafsäcke und warme Matten vorhanden waren. Mit einer Gruppe von 24 Personen dort hochzugehen, ist ebenfalls unverantwortlich vom Touranbieter. Auch 3 Guides verteilt auf diese Personenanzahl ist zu wenig. Meine Gruppe bestand aus 10 Leuten mit 2 Guides. Des Weiteren kann man sich Träger mieten, die die schwereren Rucksäcke transportieren, so dass man sich beim Aufstieg voll auf den eigenen Körper konzentrieren kann. Lieber daher etwas mehr Geld ausgeben als an der falschen Stelle zu sparen. Denn, sind wir mal ehrlich, da oben sind schon Leute gestorben! :-O Und untrainiert sollte man diese Tour meiner Ansicht nach sowieso nicht machen. Das gefährdet nicht nur einen selbst, sondern auch die Gruppe insgesamt und sorgt dafür, dass die Guides ihren Fokus verlagern, nämlich auf die Stärksten und Schwächsten der Gruppe - das Mittelfeld erhält weniger Aufmerksamkeit. Gerade diese ist aber aufgrund weniger werdender Konzentration wegen der körperlichen Anstrengung notwendig... my fifty cents!
LG aus Guatemala
Manu

P.S. Es heißt übrigens Quetzales, nicht Quetzal. Quetzal ist Singular. ;-)

    Janine

    Hallo Manu,

    vielen Dank für deinen Kommentar.

    Ich hoffe, ich habe es im Artikel nicht so ausgedrückt, aber mit der Tour bzw. den Tourguides waren wir schon sehr zufrieden. Sie waren für jeden einzelnen der Gruppe immer da. Ich hatte aber den Eindruck, dass die Guides vom Wetter selbst überrascht wurden. Die Decken lagen zwar nicht direkt im Zelt, aber in greifbarer Nähe.

    Ganz liebe Grüße
    Janine

Wir benutzen Cookies um die Qualität der Website verbessern. Mehr Infos OK